Schlaganfall
Schlaganfall

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Schlaganfall: Folgen, Rehabilitation und Hilfsmittel für den Alltag

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall – er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Dank moderner Akutmedizin überleben heute mehr Menschen einen Schlaganfall als je zuvor. Umso wichtiger wird die Rehabilitation und die langfristige Versorgung mit Hilfsmitteln, die Mobilität und Selbstständigkeit zurückbringen.

Als Sanitätshaus Lettermann mit Standorten in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen und Brüggen sind wir auf die Versorgung nach einem Schlaganfall spezialisiert. Mit unserem Neuro Case Management, modernsten Bionic Orthesen und einem breiten Spektrum an Hilfsmitteln begleiten wir Sie auf dem Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall (medizinisch: Apoplex oder zerebrovaskulärer Insult) ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Gehirnzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und sterben innerhalb von Minuten ab. Je nach betroffener Hirnregion entstehen unterschiedliche Ausfälle.

Zeit ist Gehirn: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Pro Minute sterben etwa 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Gehirngewebe kann gerettet werden.

Arten des Schlaganfalls

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt) – ca. 85 %: Ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft ein Hirngefäß. Die häufigste Form
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung) – ca. 15 %: Ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut tritt ins Hirngewebe aus
  • Transitorische ischämische Attacke (TIA): Ein „Mini-Schlaganfall" mit vorübergehenden Symptomen, die sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Eine TIA ist ein ernstes Warnsignal – das Risiko für einen vollständigen Schlaganfall ist danach deutlich erhöht

Risikofaktoren

Viele Schlaganfall-Risikofaktoren lassen sich beeinflussen:

  • Bluthochdruck: Der wichtigste Risikofaktor – verantwortlich für ca. 50 % aller Schlaganfälle
  • Vorhofflimmern: Erhöht das Schlaganfallrisiko um das 5-Fache – Blutgerinnsel können sich im Herz bilden und ins Gehirn wandern
  • Diabetes mellitus: Schädigt die Blutgefäße und verdoppelt das Schlaganfallrisiko
  • Rauchen: Verdoppelt das Risiko – auch Passivrauchen ist gefährlich
  • Übergewicht und Bewegungsmangel: Fördern Bluthochdruck, Diabetes und Arteriosklerose
  • Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin): Begünstigen Gefäßverkalkung
  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Erhöht den Blutdruck und das Blutungsrisiko
  • Alter: Ab 55 verdoppelt sich das Risiko mit jedem Lebensjahrzehnt
  • Familiäre Vorbelastung: Schlaganfälle in der Familie erhöhen das eigene Risiko

Symptome: Schlaganfall erkennen – FAST-Test

Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Jede Minute zählt! Der FAST-Test hilft, einen Schlaganfall schnell zu erkennen:

  • F – Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • A – Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben. Sinkt ein Arm ab oder kann nicht gehoben werden?
  • S – Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Klingt die Sprache verwaschen oder ist sie nicht möglich?
  • T – Time (Zeit): Wenn auch nur eines dieser Zeichen auftritt: Sofort 112 anrufen!

Weitere mögliche Symptome:

  • Plötzliche Sehstörungen (Doppelbilder, Gesichtsfeldausfall)
  • Plötzlicher starker Kopfschmerz (besonders bei Hirnblutung)
  • Plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit
  • Taubheit oder Kribbeln in einer Körperhälfte
  • Plötzliche Verwirrtheit

Folgen eines Schlaganfalls

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen davon ab, welche Hirnregion betroffen ist und wie schnell behandelt wurde. Mögliche Folgen sind:

Motorische Folgen

  • Hemiparese / Hemiplegie: Halbseitige Lähmung oder Schwäche – die häufigste Folge. Betrifft Arm, Bein und oft auch das Gesicht einer Körperseite
  • Spastik: Erhöhte Muskelspannung in der gelähmten Körperhälfte – Muskeln werden steif und verkrampft
  • Fußheberschwäche: Der Fuß kann nicht mehr aktiv angehoben werden – erhöhte Stolper- und Sturzgefahr
  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen: Unsicheres Gangbild, Sturzneigung
  • Feinmotorikstörungen: Greifen, Schreiben, Knöpfe schließen – alltägliche Handgriffe werden zur Herausforderung

Kognitive und sprachliche Folgen

  • Aphasie (Sprachstörung): Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben – betrifft ca. 30 % der Schlaganfallpatienten
  • Neglect: Eine Körperseite oder eine Seite des Raumes wird nicht mehr wahrgenommen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Apraxie: Schwierigkeiten bei der Planung und Ausführung von Handlungen

Weitere Folgen

  • Schluckstörungen (Dysphagie): Betreffen bis zu 50 % der Betroffenen in der Akutphase
  • Depression: Betrifft ca. 30–40 % der Betroffenen – ernst nehmen und behandeln
  • Schmerzen: Schulterschmerzen auf der betroffenen Seite, neuropathische Schmerzen
  • Blasenstörungen und Inkontinenz
  • Fatigue: Extreme Erschöpfung und Müdigkeit

Rehabilitation nach Schlaganfall

Die Rehabilitation beginnt so früh wie möglich – idealerweise bereits auf der Stroke Unit (Schlaganfall-Spezialstation). Das Gehirn hat eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Reorganisation (Neuroplastizität): Gesunde Hirnareale können teilweise die Funktionen der geschädigten Bereiche übernehmen.

Phasen der Rehabilitation

  1. Akutphase (Krankenhaus / Stroke Unit): Medizinische Stabilisierung, Frührehabilitation
  2. Stationäre Rehabilitation (Reha-Klinik): Intensive Therapie über mehrere Wochen – Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie
  3. Ambulante Rehabilitation: Weiterführende Therapie zu Hause oder in ambulanten Einrichtungen
  4. Langzeitversorgung: Langfristige Hilfsmittelversorgung und Anpassung – hier kommt unser Neuro Case Management ins Spiel

Therapiebausteine

  • Physiotherapie: Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht. Unser Partner LettsFit bietet spezialisierte Ganganalyse-Diagnostik
  • Ergotherapie: Training alltagspraktischer Fähigkeiten – Anziehen, Essen, Körperpflege
  • Logopädie: Sprach- und Schlucktherapie
  • Neuropsychologie: Behandlung kognitiver Defizite, Neglect und Aufmerksamkeitsstörungen

Hilfsmittel nach Schlaganfall – So unterstützt Sie Ihr Sanitätshaus

Die richtige Hilfsmittelversorgung ist nach einem Schlaganfall entscheidend für die Rückgewinnung von Selbstständigkeit. Da sich der Zustand im Verlauf der Rehabilitation verändert, muss die Versorgung regelmäßig angepasst werden.

Neuro Case Management – Ihre langfristige Begleitung

Unser Neuro Case Management wurde speziell für Menschen mit neurologischen Erkrankungen entwickelt:

  • Ein fester Ansprechpartner begleitet Sie von der Reha bis in den Alltag
  • Regelmäßige Überprüfung und Anpassung aller Hilfsmittel
  • Enge Zusammenarbeit mit Neurologen, Reha-Ärzten, Therapeuten und Pflegediensten
  • 360-Grad-Versorgung: Orthesen, Mobilität, Wohnumfeld, Pflege, Alltagshilfen

Orthesen und Neuromodulation für Arm und Bein

Bein und Gangbild

Arm und Hand

  • MyoPro® – motorisierte Arm- und Handorthese: Stellt die Funktion gelähmter oder geschwächter Arme und Hände wieder her. Die MyoPro® erkennt über Sensoren die Restmuskelaktivität und verstärkt sie motorisch – Betroffene können wieder beidhändig greifen, tragen und Alltagshandlungen ausführen
  • Orthesen für Arm und Hand: Dynamische und statische Orthesen – zur Mobilisierung, Stabilisierung oder Korrektur von Fehlstellungen nach Schlaganfall
  • Handgelenkbandagen: Stabilisierung bei Schwäche oder Schmerzen

Ganzkörper-Neuromodulation

  • Exopulse Mollii Suit: Der weltweit erste Ganzkörper-Neuromodulationsanzug – vermindert Spastik, aktiviert geschwächte Muskeln und lindert Schmerzen. Besonders wertvoll bei halbseitiger Spastik nach Schlaganfall

Mobilität und Sturzprophylaxe

Wohnumfeld und Alltag

Home Care

Über unseren Home-Care-Bereich versorgen wir Sie bei:

  • Inkontinenz (häufige Folge nach Schlaganfall)
  • Dekubitusprophylaxe bei eingeschränkter Mobilität
  • Enteraler Ernährung bei Schluckstörungen
  • Wundmanagement bei Druckgeschwüren

Schlaganfall vorbeugen: 6 Tipps

  1. Blutdruck regelmäßig kontrollieren: Bluthochdruck ist Risikofaktor Nr. 1 – ein gut eingestellter Blutdruck senkt das Schlaganfallrisiko um bis zu 40 %.
  2. Bewegung: 30 Minuten moderate Bewegung an 5 Tagen pro Woche – Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen.
  3. Gesunde Ernährung: Mediterrane Kost – viel Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl, wenig Salz.
  4. Nicht rauchen: Schon 2 Jahre nach dem Aufhören ist das Schlaganfallrisiko deutlich gesenkt.
  5. Vorhofflimmern behandeln: Regelmäßig den Puls kontrollieren – ein unregelmäßiger Herzschlag muss ärztlich abgeklärt werden.
  6. Diabetes gut einstellen: Ein kontrollierter Blutzucker schützt die Gefäße.

Ihre Schlaganfall-Versorgung bei Sanitätshaus Lettermann

Nach einem Schlaganfall braucht es eine umfassende, sich anpassende Versorgung. Unser Kompetenzzentrum für neurologische Erkrankungen bietet Ihnen:

  • Neuro Case Management: Ein fester Ansprechpartner begleitet Sie langfristig
  • Modernste Technologien: MyoPro®, C-Brace®, Exopulse Mollii Suit, FES
  • Umfassende Mobilitätsversorgung: vom Gehstock bis zum Elektromobil
  • Ganganalyse und Bewegungsschule bei LettsFit
  • Reha-Werkstatt für Reparatur und Anpassung
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Neurologen, Reha-Kliniken und Therapeuten
  • Direkte Abwicklung mit Ihrer Krankenkasse

Besuchen Sie uns an einem unserer Standorte in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen oder Brüggen.

Häufige Fragen zum Schlaganfall (FAQ)

Wie erkenne ich einen Schlaganfall?

Nutzen Sie den FAST-Test: Face – hängt ein Mundwinkel? Arms – sinkt ein Arm ab? Speech – ist die Sprache verwaschen? Time – sofort 112 anrufen! Weitere Zeichen sind plötzliche Sehstörungen, Schwindel, starke Kopfschmerzen oder Taubheit in einer Körperhälfte. Jede Minute zählt!

Kann man sich nach einem Schlaganfall wieder erholen?

Ja, viele Betroffene machen in den ersten Wochen und Monaten erhebliche Fortschritte. Das Gehirn ist erstaunlich anpassungsfähig (Neuroplastizität) – gesunde Hirnareale können Funktionen übernehmen. Intensive Rehabilitation, konsequentes Training und die richtigen Hilfsmittel maximieren die Erholung. Auch nach Jahren sind noch Verbesserungen möglich.

Welche Hilfsmittel gibt es nach einem Schlaganfall?

Das Spektrum ist breit: Fußheberorthesen und FES-Systeme bei Fußheberschwäche, MyoPro® bei Armlähmung, C-Brace® bei Beinlähmung, der Exopulse Mollii Suit bei Spastik, sowie Rollatoren, Rollstühle und Sturzprophylaxe. Unser Neuro Case Management findet die optimale Kombination für Sie.

Was ist die MyoPro® Orthese?

Die MyoPro® ist eine motorisierte Arm- und Handorthese für Menschen mit Armlähmung nach Schlaganfall. Sie erkennt über Sensoren kleinste Restmuskelaktivität und verstärkt diese motorisch. So können Betroffene wieder beidhändig greifen, tragen und Alltagshandlungen ausführen. Sie ist derzeit die einzig verfügbare motorbetriebene Orthese für die obere Extremität.

Was ist das C-Brace®?

Das C-Brace® ist die weltweit erste computergesteuerte Beinorthese. Sie ermöglicht erstmals, das Bein unter Last zu beugen – z. B. beim Hinsetzen, Treppensteigen oder auf unebenem Gelände. Das C-Brace® ist leicht, kann unter Kleidung getragen werden und bietet Menschen nach Schlaganfall völlig neue Bewegungsfreiheit.

Wie hilft funktionelle Elektrostimulation (FES) nach einem Schlaganfall?

FES aktiviert über elektrische Impulse Nerven, die das Gehirn nach dem Schlaganfall nicht mehr richtig ansteuert. Besonders bei Fußheberschwäche hebt FES den Fuß bei jedem Schritt an – die Stolpergefahr sinkt und das Gangbild verbessert sich. Gleichzeitig trainiert die Stimulation die Muskulatur.

Zahlt die Krankenkasse Hilfsmittel nach Schlaganfall?

Ja. Mit einer ärztlichen Verordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für medizinisch notwendige Hilfsmittel – von Orthesen über Rollstühle bis zu Neuromodulationssystemen. Auch die MyoPro®, das C-Brace® und FES-Systeme können bei entsprechender Indikation verordnet werden. Wir übernehmen die komplette Abwicklung.

Kann ein Schlaganfall wieder passieren?

Ja, das Risiko für einen weiteren Schlaganfall ist nach dem ersten Ereignis deutlich erhöht – etwa 10 % erleiden innerhalb des ersten Jahres einen weiteren. Deshalb ist die konsequente Behandlung der Risikofaktoren (Blutdruck, Blutverdünnung bei Vorhofflimmern, Diabetes-Einstellung) und ein gesunder Lebensstil entscheidend.