Durchblutungsstörungen
Durchblutungsstörungen

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Durchblutungsstörungen: Ursachen, Symptome und Hilfsmittel für den Alltag

Durchblutungsstörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland – allein von Venenleiden sind über 22 Millionen Menschen betroffen, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) trifft ca. 4,5 Millionen. Wenn Blut nicht mehr richtig fließt, leidet die Versorgung von Gewebe, Muskeln und Organen. Je nachdem ob Arterien oder Venen betroffen sind, unterscheiden sich Ursachen, Symptome und Behandlung grundlegend.

Als Sanitätshaus Lettermann mit Standorten in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen und Brüggen sind wir mit unserem zertifizierten Ödem- und Venen-Kompressionszentrum auf die Versorgung bei Durchblutungsstörungen spezialisiert. Von der Venenmessung über Kompressionstherapie bis zum Wundmanagement – wir begleiten Sie ganzheitlich.

Was sind Durchblutungsstörungen?

Der Begriff Durchblutungsstörung beschreibt eine verminderte oder gestörte Blutversorgung in Körperregionen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten:

Arterielle Störung Venöse Störung
Was ist gestört? Blutzufuhr (Hin-Weg) Blutrückfluss (Rück-Weg)
Ursache Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) Defekte Venenklappen, Thrombose
Typische Symptome Schmerzen beim Gehen, kalte blasse Füße Schwere Beine, Schwellung, Krampfadern
Kompression Nur eingeschränkt (ABPI prüfen!) Haupttherapie
Gefürchtete Folge Amputation, Herzinfarkt, Schlaganfall Venöses Ulcus (offenes Bein)

Arterielle Durchblutungsstörungen

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – die „Schaufensterkrankheit"

Die pAVK ist die häufigste arterielle Durchblutungsstörung der Beine. Durch Arteriosklerose (Ablagerungen in den Gefäßwänden) verengen sich die Arterien zunehmend, bis nicht mehr genügend Blut zu den Muskeln und Geweben gelangt. Der Volksmund kennt sie als „Schaufensterkrankheit" – weil Betroffene beim Gehen Schmerzen bekommen und stehen bleiben müssen, als würden sie Schaufenster betrachten.

Wichtig: Die pAVK ist ein Marker für den gesamten Gefäßzustand. Wer eine pAVK hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verengte Gefäße am Herz und im Gehirn. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei pAVK-Patienten 3- bis 6-fach erhöht.

Stadien nach Fontaine

  1. Stadium I: Verengung vorhanden, aber noch keine Beschwerden. Oft Zufallsbefund
  2. Stadium II: Claudicatio intermittens (Schaufenstergang) – Schmerzen beim Gehen, die beim Stehenbleiben nachlassen
    • IIa: Gehstrecke > 200 Meter
    • IIb: Gehstrecke < 200 Meter
  3. Stadium III: Ruheschmerzen – besonders nachts, beim Hochlegen der Beine
  4. Stadium IV: Gewebsuntergang – Nekrosen, Geschwüre, drohende Amputation

Risikofaktoren für pAVK

  • Rauchen: Der stärkste Risikofaktor – Raucher erkranken 4-mal häufiger
  • Diabetes mellitus: Beschleunigt die Arteriosklerose massiv – Diabetiker haben ein 3- bis 5-fach erhöhtes pAVK-Risiko
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
  • Bewegungsmangel und Adipositas
  • Alter: Ab 65 Jahren steigt das Risiko deutlich
  • Familiäre Vorbelastung

Diabetische Angiopathie

Diabetes schädigt sowohl große als auch kleine Blutgefäße. Die Kombination aus diabetischer Angiopathie (Gefäßschädigung) und diabetischer Polyneuropathie (Nervenschädigung) macht den diabetischen Fuß so gefährlich: Verletzungen werden nicht gespürt UND heilen wegen mangelnder Durchblutung schlecht.

Venöse Durchblutungsstörungen

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

Bei der CVI funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig. Das Blut fließt nicht effektiv zum Herzen zurück und „versackt" in den Beinen. Die Folge: Schwellungen, Hautveränderungen und im schlimmsten Fall das gefürchtete offene Bein (Ulcus cruris venosum).

Stadien der CVI

  • Stadium I: Corona phlebectatica (erweiterte Venen am Fußrand), leichte Schwellung, schwere Beine
  • Stadium II: Hautveränderungen – bräunliche Verfärbung (Hämosiderin-Einlagerung), Ekzem, Verhärtung (Dermatoliposklerose), Atrophie blanche (weiße Narbenfelder)
  • Stadium III: Offenes Bein (Ulcus cruris venosum) – schlecht heilende Wunde, meist am Innenknöchel

Venenleiden

  • Krampfadern (Varizen): Erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen – betreffen ca. 20 % der Erwachsenen. Mehr als ein kosmetisches Problem: Sie können zu CVI führen
  • Besenreiser: Feine, sichtbare Äderchen in der Haut – oft harmlos, können aber ein Hinweis auf ein tieferes Venenproblem sein
  • Tiefe Venenthrombose (TVT): Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene – Notfall! Risiko der Lungenembolie. Als Spätfolge kann ein postthrombotisches Syndrom entstehen

Lymphödem

Beim Lymphödem ist nicht der Blutfluss, sondern der Lymphabfluss gestört. Lymphflüssigkeit staut sich im Gewebe – es entstehen Schwellungen, die sich ohne Behandlung verhärten. Lymphödeme können primär (angeboren) oder sekundär (nach OP, Bestrahlung, Infektion) auftreten. Die komplexe physikalische Entstauungstherapie ist die Standardbehandlung.

Lipödem

Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es wird oft mit Adipositas verwechselt, ist aber eine eigenständige Erkrankung. Typisch: symmetrische Fettansammlung an Beinen und/oder Armen, Druckschmerzhaftigkeit, Neigung zu Hämatomen. Kompressionstherapie ist ein zentraler Therapiebaustein.

Symptome: Wann sollten Sie aufmerksam werden?

Warnzeichen für arterielle Durchblutungsstörungen

  • Schmerzen in den Waden beim Gehen, die beim Stehenbleiben nachlassen (Claudicatio)
  • Kalte, blasse Füße – besonders im Seitenvergleich
  • Fehlende oder abgeschwächte Fußpulse
  • Schlecht heilende Wunden an den Zehen oder am Fuß
  • Schmerzen in Ruhe, besonders nachts (Bein hängen lassen lindert)
  • Blau-schwarze Verfärbung von Zehen – sofort zum Arzt!

Warnzeichen für venöse Durchblutungsstörungen

  • Schwere, müde Beine, besonders abends und bei Wärme
  • Geschwollene Knöchel und Unterschenkel
  • Sichtbare Krampfadern oder Besenreiser
  • Bräunliche Hautverfärbung am Unterschenkel
  • Nächtliche Wadenkrämpfe
  • Juckreiz und Ekzem an den Unterschenkeln
  • Plötzliche einseitige Beinschwellung → Verdacht auf Thrombose → Notfall!

Behandlung von Durchblutungsstörungen

Arterielle Durchblutungsstörungen

  • Risikofaktoren eliminieren: Rauchstopp (wichtigste Einzelmaßnahme!), Blutzucker einstellen, Blutdruck und Blutfette senken
  • Gehtraining: Das strukturierte Gehtraining ist in Stadium II die wichtigste Therapie – 3× pro Woche 30–60 Minuten Gehen bis zur Schmerzgrenze. Kann die Gehstrecke verdoppeln
  • Medikamente: Blutverdünner (ASS, Clopidogrel), Statine, Blutdrucksenker
  • Interventionen: Ballondilatation (PTA), Stent-Implantation, Bypass-Operation bei fortgeschrittener Erkrankung
  • Wundbehandlung: Professionelles Wundmanagement bei Geschwüren

Venöse Durchblutungsstörungen

  • Kompressionstherapie: Die Basistherapie bei allen venösen Erkrankungen – Kompressionsstrümpfe unterstützen den Blutrückfluss zum Herzen
  • Bewegung: Aktivierung der Muskelpumpe in den Waden – Gehen, Radfahren, Schwimmen, Fußwippen
  • Hochlagerung: Beine regelmäßig hochlegen – Schwerkraft unterstützt den venösen Rückfluss
  • Verödung / Lasertherapie: Bei Krampfadern
  • Antikoagulation: Bei Thrombosen – Blutverdünner verhindern weiteres Wachstum des Gerinnsels

Hilfsmittel bei Durchblutungsstörungen – So unterstützt Sie Ihr Sanitätshaus

Unser zertifiziertes Ödem- und Venen-Kompressionszentrum bietet die gesamte Bandbreite der Versorgung bei Durchblutungsstörungen – von der Diagnostik bis zur langfristigen Therapiebegleitung.

Venenmessung und Diagnostik

  • Kostenloser Venen-Aktiv-Check: Regelmäßig an allen Standorten – lassen Sie Ihre Venenfunktion kostenlos überprüfen! Inklusive Testmöglichkeit eines 3-Kammer-Kompressionstherapiegeräts
  • Senso Analyse: Computergestützte Ganganalyse
  • Fußdruckmessung (Pedographie): Druckverteilung und Abrollverhalten – besonders wichtig bei diabetischen Durchblutungsstörungen

Kompressionstherapie – das Herzstück der venösen Versorgung

Wundmanagement

Bei chronischen Wunden infolge von Durchblutungsstörungen bietet unser Wundmanagement:

  • Zertifizierte Wundexperten (Wundmanager/ICW)
  • Professionelle Wundversorgung bei Ulcus cruris (offenes Bein)
  • Moderne Wundauflagen und Vakuumtherapie
  • Engmaschige Verlaufskontrolle und Dokumentation
  • Koordination mit Ärzten und Pflegediensten

Fußversorgung

Gesunde Füße sind bei Durchblutungsstörungen besonders wichtig – vor allem wenn gleichzeitig Diabetes besteht:

Mobilität

Mobilität erhalten und Bewegung fördern – bei arteriellen Durchblutungsstörungen ist strukturiertes Gehtraining sogar die wichtigste Therapie:

Sturzprophylaxe und Wohnumfeld

Home Care

Über unseren Home-Care-Bereich:

  • Wundmanagement bei chronischen Wunden (Ulcus cruris, diabetische Fußulzera)
  • Dekubitusprophylaxe bei eingeschränkter Mobilität
  • Inkontinenzversorgung

Durchblutung fördern: 7 Tipps für den Alltag

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig: Gehen ist die beste Medizin – sowohl bei arteriellen als auch venösen Störungen. Die Wadenmuskelpumpe ist das „zweite Herz" für den venösen Rückfluss. Bei pAVK: Gehtraining bis zur Schmerzgrenze kann die Gehstrecke verdoppeln.
  2. Nicht rauchen: Rauchen ist der stärkste Risikofaktor für pAVK. Schon Wochen nach dem Rauchstopp verbessert sich die Durchblutung messbar.
  3. Beine hochlegen: Bei venösen Problemen: Mehrmals täglich für 15–20 Minuten. Faustregel: Herzhöhe oder höher. Nicht bei arteriellen Störungen – da kann Hochlagerung die Beschwerden verschlimmern!
  4. Kompressionsstrümpfe tragen: Bei Venenleiden und Lymphödemen sind sie Therapie Nr. 1. Konsequent tragen – morgens anziehen, abends ausziehen. Unser Venen-Aktiv-Check zeigt, ob Sie Kompression brauchen.
  5. Kontrollieren Sie Ihre Füße: Besonders bei Diabetes und pAVK: Tägliche Fußinspektion. Druckstellen, Risse und kleine Verletzungen können bei schlechter Durchblutung zu großen Problemen werden.
  6. Wärme und Kälte beachten: Kalte Füße nicht mit Wärmflaschen wärmen (Verbrennungsgefahr bei Neuropathie!). Lieber warme Socken. Im Sommer verschlimmern sich venöse Beschwerden – Kälte und Kompression helfen.
  7. Risikofaktoren behandeln: Blutzucker, Blutdruck, Cholesterin optimal einstellen. Jeder kontrollierte Risikofaktor bremst das Fortschreiten.

Ihre Versorgung bei Sanitätshaus Lettermann

Als zertifiziertes Ödem- und Venen-Kompressionszentrum bieten wir:

Besuchen Sie uns an einem unserer Standorte in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen oder Brüggen.

Häufige Fragen zu Durchblutungsstörungen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen arteriellen und venösen Durchblutungsstörungen?

Bei arteriellen Störungen ist die Blutzufuhr gestört – Sauerstoff und Nährstoffe erreichen das Gewebe nicht ausreichend. Typisch: Schmerzen beim Gehen, kalte Füße. Bei venösen Störungen ist der Blutrückfluss gestört – Blut staut sich in den Beinen. Typisch: schwere Beine, Schwellungen, Krampfadern. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Behandlung grundverschieden ist – z. B. Kompressionsstrümpfe helfen bei venösen Problemen, können bei schweren arteriellen Störungen aber schaden.

Was ist die Schaufensterkrankheit?

Die „Schaufensterkrankheit" ist der Volksname für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) im Stadium II. Betroffene bekommen beim Gehen Wadenschmerzen und müssen stehen bleiben – als würden sie Schaufenster betrachten. Ursache ist die Verengung der Beinarterien durch Arteriosklerose. Regelmäßiges Gehtraining und das Ausschalten von Risikofaktoren (v.a. Rauchen!) sind die wichtigsten Maßnahmen.

Warum helfen Kompressionsstrümpfe bei Venenleiden?

Kompressionsstrümpfe üben von außen Druck auf die Venen aus. Dadurch werden die erweiterten Venen zusammengedrückt, die Venenklappen schließen wieder besser und das Blut fließt effektiver zum Herzen zurück. Die Schwellung geht zurück, Schweregefühl und Schmerzen werden gelindert. Für optimale Wirkung müssen sie individuell angepasst sein.

Was ist das offene Bein (Ulcus cruris)?

Ein Ulcus cruris ist eine chronische Wunde am Unterschenkel – meist am Innenknöchel. Am häufigsten entsteht es durch jahrelange venöse Insuffizienz (Ulcus cruris venosum). Die Kombination aus Kompressionstherapie und professionellem Wundmanagement ist der wichtigste Therapieansatz.

Was ist ein Lymphödem und wie wird es behandelt?

Beim Lymphödem ist der Lymphabfluss gestört – Lymphflüssigkeit staut sich im Gewebe. Die Standardbehandlung ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE): Kompression, Lymphdrainage, Hautpflege und Bewegung. Wir sind ein zertifiziertes Beratungszentrum für Lymphologie und fertigen Flachstrick-Kompression nach Maß.

Wann ist eine Durchblutungsstörung ein Notfall?

Sofort 112 anrufen bei: Plötzlich kaltem, blassem Bein mit starken Schmerzen (akuter Arterienverschluss), plötzlicher einseitiger Beinschwellung (Thrombose-Verdacht → Lungenembolie-Risiko!), und schwarz verfärbten Zehen oder Füßen. Auch neue Ruheschmerzen oder schlecht heilende Wunden brauchen zeitnah ärztliche Abklärung.

Was hat Diabetes mit Durchblutungsstörungen zu tun?

Diabetes schädigt die Blutgefäße auf doppelte Weise: Die großen Arterien (Makroangiopathie → pAVK) und die kleinen Gefäße (Mikroangiopathie → gestörte Wundheilung). In Kombination mit Polyneuropathie (Nervenschädigung) entsteht der diabetische Fuß – eine der häufigsten Ursachen für Amputationen. Gute Blutzuckereinstellung und regelmäßige Fußkontrollen sind entscheidend.

Zahlt die Krankenkasse Kompressionsstrümpfe und Wundversorgung?

Ja. Mit einer ärztlichen Verordnung übernehmen die Krankenkassen Kompressionsstrümpfe (in der Regel zwei Paar pro Jahr), AIK-Geräte, Wundversorgungsmaterial, orthopädische Einlagen und Schuhe sowie Mobilitätshilfen. Wir übernehmen die komplette Abwicklung.