Polyneuropathie
Polyneuropathie

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Polyneuropathie: Ursachen, Symptome und Hilfsmittel für den Alltag

Polyneuropathie (PNP) gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt – in Deutschland sind schätzungsweise 5–8 % der Bevölkerung betroffen, bei Menschen über 65 Jahren sogar bis zu 15 %. Bei der Polyneuropathie werden periphere Nerven geschädigt – also die Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Das führt zu Empfindungsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche, vor allem in Füßen und Beinen.

Als Sanitätshaus Lettermann mit Standorten in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen und Brüggen kennen wir die Herausforderungen einer Polyneuropathie aus der täglichen Versorgungsarbeit. Mit orthopädischer Schuhtechnik, speziellen Einlagen, computergestützter Fußdruckmessung und umfassender Sturzprophylaxe helfen wir Ihnen, sicher und mobil zu bleiben.

Was ist Polyneuropathie?

Bei einer Polyneuropathie sind viele periphere Nerven gleichzeitig geschädigt (poly = viel, neuro = Nerv, pathie = Erkrankung). Die peripheren Nerven sind die Leitungen, die Signale zwischen dem Gehirn/Rückenmark und dem Rest des Körpers transportieren. Sie steuern Empfindungen (Fühlen, Temperatur, Schmerz), Bewegungen (Muskelkraft) und unwillkürliche Funktionen (Blutdruck, Verdauung, Schwitzen).

Man kann sich die peripheren Nerven wie ein Kabelnetz vorstellen: Werden die Kabel beschädigt, kommen Signale verzögert, fehlerhaft oder gar nicht an. Die Schäden beginnen typischerweise an den längsten Nerven – deshalb zeigen sich die ersten Symptome fast immer an den Füßen und Zehen, später an den Händen.

Welche Nerven sind betroffen?

  • Sensible Nerven: Zuständig für Empfindungen – Berührung, Temperatur, Schmerz, Vibration, Lagesinn. Schädigung führt zu Taubheit, Kribbeln, Brennen und gestörtem Gleichgewicht
  • Motorische Nerven: Zuständig für Muskelbewegungen. Schädigung führt zu Muskelschwäche, Muskelabbau und Fußheberschwäche
  • Autonome Nerven: Zuständig für unwillkürliche Funktionen. Schädigung führt zu Schwindel beim Aufstehen, Verdauungsproblemen, Blasenstörungen und gestörtem Schwitzen

Ursachen: Über 200 mögliche Auslöser

Es gibt über 200 bekannte Ursachen für Polyneuropathie. Die beiden häufigsten sind:

Diabetes mellitus – häufigste Ursache (ca. 30–40 %)

Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen. Die diabetische Polyneuropathie betrifft bis zu 50 % aller Diabetiker im Laufe ihres Lebens. Besonders gefährlich: Wenn die Füße taub werden, spüren Betroffene Druckstellen und Verletzungen nicht – es droht das diabetische Fußsyndrom.

Alkohol – zweithäufigste Ursache (ca. 20–25 %)

Chronischer Alkoholkonsum schädigt die Nerven direkt (toxisch) und indirekt durch Mangelernährung (besonders Vitamin-B1-Mangel). Die alkoholische Polyneuropathie entwickelt sich schleichend über Jahre.

Weitere häufige Ursachen

  • Vitaminmangel: Besonders Vitamin B1, B6, B12 und Folsäure – auch ohne Alkoholkonsum, z. B. bei Fehlernährung, Magenoperationen oder Metformin-Einnahme (bei Diabetes)
  • Autoimmunerkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom (akut), CIDP (chronisch), Vaskulitis – das Immunsystem greift die eigenen Nerven an
  • Chemotherapie: Bestimmte Krebsmedikamente (Platinverbindungen, Taxane, Vincaalkaloide) können Nerven schädigen – die chemotherapieinduzierte Polyneuropathie (CIPN)
  • Niereninsuffizienz (Urämie): Giftstoffe, die die Niere nicht mehr ausscheidet, schädigen die Nerven
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Infektionen: Borreliose, HIV, Hepatitis C, Herpes Zoster
  • Medikamente: Bestimmte Antibiotika, Statine (Cholesterinsenker), Amiodaron
  • Toxische Stoffe: Schwermetalle (Blei, Quecksilber), Lösungsmittel
  • Erbliche Formen: Charcot-Marie-Tooth (CMT) – die häufigste erbliche Neuropathie
  • Idiopathisch: Bei ca. 20–30 % der Fälle wird trotz umfangreicher Diagnostik keine Ursache gefunden

Symptome: Wie zeigt sich eine Polyneuropathie?

Die Symptome beginnen fast immer an den Füßen und Zehen und breiten sich langsam nach oben aus – socken- oder strumpfförmig. Erst im weiteren Verlauf können auch die Hände betroffen sein (handschuhförmig). Man spricht vom „Socken-Handschuh-Muster".

Sensible Symptome (am häufigsten)

  • Kribbeln und „Ameisenlaufen": Oft das erste Zeichen – besonders in den Zehen
  • Taubheit und Gefühllosigkeit: Betroffene spüren den Boden unter den Füßen nicht mehr richtig – „wie auf Watte gehen"
  • Brennende Schmerzen: Besonders nachts quälend – ein typisches PNP-Symptom. Berührung der Bettdecke kann unerträglich sein
  • Gestörtes Temperaturempfinden: Heiß und kalt werden nicht mehr richtig unterschieden – Verbrennungsgefahr!
  • Gestörter Lagesinn: Die Füße „wissen" nicht mehr, wo sie sind – das Gleichgewicht leidet massiv
  • Schmerzunempfindlichkeit: Verletzungen an den Füßen werden nicht gespürt – besonders bei diabetischem Fuß gefährlich

Motorische Symptome

  • Muskelschwäche: Besonders in den Fuß- und Unterschenkelmuskeln
  • Fußheberschwäche: Der Fuß kann nicht mehr richtig angehoben werden – erhöhte Stolpergefahr
  • Muskelkrämpfe: Besonders in den Waden, oft nachts
  • Muskelabbau (Atrophie): Besonders der kleinen Fußmuskeln – führt zu Fußfehlstellungen (Krallenzehen, Hohlfuß)
  • Gangunsicherheit: Breitbeiniger, unsicherer Gang, besonders im Dunkeln (wenn der Sehsinn das fehlende Gefühl nicht mehr kompensiert)

Autonome Symptome

  • Orthostatische Hypotonie: Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen
  • Verdauungsprobleme: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung im Wechsel
  • Blasenstörungen: Häufiger Harndrang oder unvollständige Entleerung
  • Gestörtes Schwitzen: Trockene Füße (Rissbildung!) oder übermäßiges Schwitzen
  • Herzrhythmusstörungen: In schweren Fällen

Polyneuropathie und Sturzrisiko

Polyneuropathie ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Stürze im Alter. Die Kombination aus gestörtem Lagesinn, Muskelschwäche und fehlendem Gespür für den Untergrund macht das Gehen unsicher – besonders im Dunkeln, auf unebenem Boden oder auf Treppen.

Studien zeigen: Menschen mit PNP haben ein bis zu 15-fach erhöhtes Sturzrisiko. Jeder Sturz kann schwerwiegende Folgen haben – besonders bei älteren Menschen oder bei gleichzeitiger Osteoporose. Deshalb ist Sturzprophylaxe bei Polyneuropathie absolut essenziell.

Behandlung von Polyneuropathie

Die Behandlung setzt an mehreren Stellen an: Ursache behandeln, Schmerzen lindern, Mobilität erhalten und Stürze verhindern.

Ursachenbehandlung

  • Diabetes: Optimale Blutzuckereinstellung – kann das Fortschreiten verlangsamen oder stoppen
  • Alkoholverzicht: Kann die Nervenschädigung teilweise rückgängig machen
  • Vitaminsubstitution: B-Vitamine, besonders B1, B6, B12
  • Immuntherapie: Bei autoimmunbedingten Formen (Guillain-Barré, CIDP)

Schmerztherapie

  • Spezielle Schmerzmittel: Gabapentin, Pregabalin, Duloxetin, Amitriptylin – klassische Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol) helfen bei neuropathischen Schmerzen kaum
  • Capsaicin-Pflaster: Lokale Anwendung bei begrenzten Schmerzarealen
  • TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): Kann Schmerzen und Missempfindungen lindern

Physikalische Therapie

  • Gleichgewichtstraining: Gezieltes Training des Gleichgewichtssinns – kann die Sturzgefahr deutlich reduzieren
  • Gangtraining: Sicheres Gangbild erarbeiten. Unser Partner LettsFit bietet spezialisierte Ganganalyse-Diagnostik
  • Krafttraining: Erhalt der Fuß- und Beinmuskulatur
  • Sensibilitätstraining: Stimulation der Fußsohlen (Igelbälle, Barfußpfade, Kneipp-Anwendungen)

Hilfsmittel bei Polyneuropathie – So unterstützt Sie Ihr Sanitätshaus

Die richtige Hilfsmittelversorgung ist bei Polyneuropathie gleichermaßen Therapie und Schutz: Sie verbessert das Gangbild, schützt die empfindlichen Füße und reduziert die Sturzgefahr erheblich.

Fußversorgung – das Herzstück der PNP-Versorgung

Fußdruckmessung und Diagnostik

Jede gute PNP-Versorgung beginnt mit einer präzisen Analyse:

Orthopädische Einlagen

Orthopädische Schuhe

  • Orthopädische Maßschuhe: Individuell gefertigt – mit weichem Innenmaterial, nahtfreier Verarbeitung (keine Druckstellen!), ausreichend Platz für Einlagen und Zehenfehlstellungen. Essenziell bei fortgeschrittener PNP und diabetischem Fuß
  • Orthopädische Schuhtechnik: Zurichtungen an Konfektionsschuhen – Abrollhilfen, Sohlenversteifungen, Pufferabsätze

Orthesen bei Fußheberschwäche

Neuromodulation

  • Exopulse Mollii Suit: Ganzkörper-Neuromodulationsanzug – kann bei PNP-bedingter Spastik und Muskelschwäche unterstützen und Schmerzen lindern

Sturzprophylaxe und Mobilität

Bei Polyneuropathie ist Sturzprophylaxe keine Option, sondern Pflicht:

Wohnumfeld

Home Care

Über unseren Home-Care-Bereich:

  • Inkontinenzversorgung bei autonomer Neuropathie
  • Dekubitusprophylaxe bei eingeschränkter Mobilität
  • Wundmanagement bei Fußulzera

Leben mit Polyneuropathie: 7 Tipps für den Alltag

  1. Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich: Da Sie Verletzungen möglicherweise nicht spüren, schauen Sie jeden Abend Ihre Füße an – auf Rötungen, Blasen, Druckstellen, Risse. Nutzen Sie einen Spiegel für die Fußsohlen.
  2. Tragen Sie passende Schuhe: Keine engen Schuhe, keine hohen Absätze, keine Sandalen. Orthopädische Maßschuhe mit speziellen Einlagen schützen Ihre Füße optimal.
  3. Sichern Sie Ihre Wohnung: Teppichkanten entfernen, Haltegriffe anbringen, Nachtbeleuchtung installieren. Gehen Sie im Dunkeln besonders vorsichtig – Ihr Gleichgewicht ist dann am schlechtesten.
  4. Bleiben Sie aktiv: Regelmäßiges Gleichgewichts- und Krafttraining reduziert das Sturzrisiko nachweislich. Besonders geeignet: Tai Chi, Yoga, Wassergymnastik.
  5. Vorsicht bei Wärme und Kälte: Prüfen Sie Wassertemperatur immer mit dem Ellenbogen oder einem Thermometer – nicht mit den Füßen! Keine Wärmflaschen an die Füße.
  6. Ursachen behandeln lassen: Optimale Blutzuckereinstellung, Alkoholverzicht, Vitaminspiegel kontrollieren – das kann das Fortschreiten stoppen.
  7. Fußpflege ernst nehmen: Professionelle podologische Fußpflege – Nägel richtig schneiden, Hornhaut professionell entfernen, Risse behandeln. Besonders bei diabetischer PNP.

Ihre Polyneuropathie-Versorgung bei Sanitätshaus Lettermann

Polyneuropathie erfordert eine Versorgung mit besonderem Augenmerk auf die Füße. Unser Kompetenzzentrum für neurologische Erkrankungen bietet:

Besuchen Sie uns an einem unserer Standorte in Viersen, Mönchengladbach, Nettetal, Krefeld, Kempen oder Brüggen.

Häufige Fragen zur Polyneuropathie (FAQ)

Was sind die ersten Anzeichen einer Polyneuropathie?

Die häufigsten Frühzeichen sind Kribbeln und Taubheit in den Zehen – oft beschrieben als „Ameisenlaufen" oder das Gefühl, auf Watte zu gehen. Auch brennende Schmerzen in den Füßen, besonders nachts, sind typische erste Symptome. Die Beschwerden beginnen fast immer an den Füßen und breiten sich langsam nach oben aus.

Ist Polyneuropathie heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Bei diabetischer PNP kann eine optimale Blutzuckereinstellung das Fortschreiten stoppen. Bei alkoholischer PNP kann Abstinenz zu einer teilweisen Erholung führen. Bei Vitaminmangel kann eine Substitution die Nerven regenerieren. Bei manchen Formen ist eine vollständige Heilung möglich, bei anderen steht die Symptomlinderung und das Verhindern des Fortschreitens im Vordergrund.

Warum sind die Füße zuerst betroffen?

Die Nervenfasern zu den Füßen sind die längsten im Körper. Je länger ein Nerv ist, desto anfälliger ist er für Schädigungen – und desto weiter ist der Weg, den ein Signal zurücklegen muss. Deshalb beginnen die Symptome typischerweise an den Zehenspitzen und breiten sich sockenförmig nach oben aus.

Warum sind Spezialeinlagen und orthopädische Schuhe bei PNP so wichtig?

Bei Polyneuropathie spüren Betroffene Druckstellen, Reibung und Verletzungen an den Füßen oft nicht mehr. Maßgefertigte Einlagen verteilen den Druck gleichmäßig und betten den Fuß weich. Orthopädische Maßschuhe sind nahtfrei verarbeitet und bieten ausreichend Platz – so werden Druckgeschwüre und Verletzungen verhindert.

Warum ist Sturzprophylaxe bei Polyneuropathie so wichtig?

PNP-Betroffene haben ein bis zu 15-fach erhöhtes Sturzrisiko. Drei Faktoren kommen zusammen: Der gestörte Lagesinn (die Füße „wissen" nicht, wo sie sind), die Muskelschwäche und das fehlende Gespür für den Untergrund. Haltegriffe, gute Beleuchtung, Rollatoren und eine Wohnumfeldberatung können das Sturzrisiko erheblich senken.

Was hilft gegen die brennenden Schmerzen bei PNP?

Neuropathische Schmerzen sprechen auf klassische Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol) kaum an. Wirksam sind spezielle Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder Duloxetin. Auch Capsaicin-Pflaster, TENS-Geräte und der Exopulse Mollii Suit (Neuromodulation) können lindern. Wichtig: Die Schmerztherapie braucht oft Geduld und individuelle Anpassung.

Welche Rolle spielt Diabetes bei Polyneuropathie?

Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für Polyneuropathie – bis zu 50 % aller Diabetiker entwickeln im Laufe ihres Lebens eine PNP. Besonders gefährlich: Die Kombination aus tauben Füßen und schlechter Wundheilung bei Diabetes kann zum diabetischen Fußsyndrom führen. Regelmäßige Fußkontrolle und eine professionelle Fußdruckmessung sind essenziell.

Zahlt die Krankenkasse Hilfsmittel bei Polyneuropathie?

Ja. Mit einer ärztlichen Verordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen orthopädische Einlagen, Maßschuhe, Orthesen, FES-Systeme, Rollatoren und Sturzprophylaxe-Hilfsmittel. Bei diabetischer PNP gibt es zusätzliche Ansprüche auf spezielle Schutzschuhe und podologische Fußpflege. Wir übernehmen die komplette Abwicklung mit Ihrer Kasse.