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Nach OP & Thromboseprophylaxe — Kompression, die schützt
Jede Operation erhöht das Thromboserisiko — und eine Thrombose kann lebensbedrohlich werden. Deshalb gehört Kompression nach fast jeder OP zum Standard. Ob Knie-Prothese, Krampfader-Verödung, Liposuktion oder Kaiserschnitt — der richtige Strumpf zur richtigen Zeit kann einen entscheidenden Unterschied machen. Dieser Ratgeber erklärt, welche Kompression wann nötig ist, wie lange Sie sie tragen müssen und was Sie selbst tun können.
Warum steigt das Thromboserisiko nach einer OP?
Drei Faktoren — die sogenannte Virchow-Trias — erhöhen das Thromboserisiko. Nach einer OP kommen oft alle drei zusammen:
- Verlangsamter Blutfluss: Bettruhe, Narkose, Immobilität — wenn die Beine sich nicht bewegen, fehlt die Wadenmuskelpumpe. Das Blut fließt langsamer und staut sich
- Gefäßwandschädigung: Jede OP verletzt Gewebe — auch Gefäßwände. Beschädigte Gefäße aktivieren die Blutgerinnung
- Veränderte Blutgerinnung: Operationen, Entzündungen und Stress aktivieren das Gerinnungssystem — das Blut gerinnt leichter als normal
Ergebnis: In den verlangsamten Venen bildet sich ein Gerinnsel (Thrombus). Wenn sich dieses Gerinnsel löst und in die Lunge wandert, entsteht eine Lungenembolie — ein lebensbedrohlicher Notfall.
Welche OPs erhöhen das Thromboserisiko besonders?
| Risikogruppe |
OP-Typen |
Thromboserisiko |
| Sehr hoch |
Hüft-TEP, Knie-TEP, Polytrauma, Rückenmark-OP |
40–80 % ohne Prophylaxe |
| Hoch |
Große Bauch-OPs, Krebs-OPs, Hüft-OP, Wirbelsäulen-OP |
20–40 % ohne Prophylaxe |
| Mittel |
Arthroskopie, Kaiserschnitt, kleinere orthopädische Eingriffe |
10–20 % ohne Prophylaxe |
| Niedrig |
Kleine ambulante Eingriffe, Zahnoperationen |
<10 % ohne Prophylaxe |
Wichtig: Auch bei „niedrigem" Grundrisiko können persönliche Risikofaktoren die Gefahr erhöhen.
Persönliche Risikofaktoren
- Frühere Thrombose oder Lungenembolie
- Familiäre Thrombose-Neigung (Thrombophilie)
- Übergewicht (BMI >30)
- Alter über 60
- Pille / Hormonersatztherapie
- Schwangerschaft / Wochenbett
- Krebserkrankung
- Herzinsuffizienz
- Krampfadern / Venenerkrankungen
- Rauchen
- Bettlägerigkeit / eingeschränkte Mobilität
Die drei Säulen der Thromboseprophylaxe
Säule 1: Medikamentöse Prophylaxe
- Heparin-Spritzen: Niedermolekulares Heparin (z. B. Clexane, Fragmin) — tägliche Spritze ins Unterhautfettgewebe (Bauch oder Oberschenkel)
- Dauer: Ab OP-Tag bis zur vollen Mobilisierung — bei Hochrisiko-OPs (Hüfte, Knie) oft 4–6 Wochen
- Alternativ: Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) — Tabletten statt Spritzen (z. B. Rivaroxaban)
- Verordnet der Arzt — die medikamentöse Prophylaxe ist kein Bereich des Sanitätshauses
Säule 2: Kompressionstherapie
Kompression ist die physikalische Ergänzung zur medikamentösen Prophylaxe — zusammen wirken sie stärker als einzeln:
Anti-Thrombose-Strümpfe (ATS) — die Klinikstrümpfe
- Was: Weiße, wadenlange oder oberschenkellange Kompressionsstrümpfe — die kennen Sie aus dem Krankenhaus
- Kompression: Ca. 18 mmHg am Knöchel — leichte Kompression (Klasse 1)
- Besonderheit: Für liegende Patient:innen konzipiert — der niedrige Ruhedruck reicht aus, weil im Liegen weniger Druck nötig ist
- Inspektionsloch: Öffnung an den Zehen — Pflegekräfte können die Durchblutung kontrollieren, ohne den Strumpf auszuziehen
- Dauer: 24 Stunden tragen (Tag und Nacht) — solange der Patient überwiegend liegt
- Wann wechseln? Sobald der Patient mobil ist → von ATS auf medizinische Kompressionsstrümpfe umsteigen
Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) — nach der Mobilisierung
- Was: Reguläre medizinische Kompressionsstrümpfe (Klasse 2) — für mobile Patient:innen
- Wann: Sobald Sie aufstehen und sich bewegen — der höhere Druck ist nötig, weil im Stehen die Schwerkraft wirkt
- Dauer: Je nach OP und Risikoprofil — 4 Wochen bis 6 Monate, manchmal lebenslang
- Tagsüber tragen: Morgens an, abends aus — nachts keine Kompression mehr nötig (das Bett reicht)
Säule 3: Frühmobilisierung
- Das Wichtigste: So früh wie möglich aufstehen und bewegen — oft schon am OP-Tag oder am Tag danach
- Warum: Jeder Schritt aktiviert die Wadenmuskelpumpe → Blut fließt → Thromboserisiko sinkt
- Im Bett: Fußwippen (Zehen hoch, Ferse hoch), Beine anziehen, Radfahren in der Luft — alles hilft
- Physiotherapie: In der Regel ab dem 1. postoperativen Tag — geführte Bewegung mit Kompression
Kompression nach speziellen Operationen
Nach Knie-Operation (Knie-TEP, Arthroskopie)
- Risiko: Sehr hoch bei Knie-TEP — das Kniegelenk wird stark manipuliert, lange Immobilisierung
- Kompression: ATS im Krankenhaus → Kompressionsstrümpfe Klasse 2 nach der Entlassung
- Dauer: Mind. 4–6 Wochen, bei Risikofaktoren länger
- Besonderheit: Der Strumpf muss über dem Knie getragen werden können, trotz OP-Wunde und Schwellung — wir beraten Sie zur richtigen Versorgung
- Risiko: Sehr hoch — bis zu 50 % Thromboserate ohne Prophylaxe
- Kompression: Oberschenkelstrümpfe oder Strumpfhose — Kniestrümpfe reichen bei Hüft-OP meist nicht
- Dauer: Mind. 5–6 Wochen Heparin + Kompression
- Tipp: Nach Hüft-OP ist das Anziehen schwierig (Beugung eingeschränkt) — Anziehhilfe (Gestell) ist fast immer nötig
- Risiko: Hoch — lange OP-Dauer, eingeschränkte Mobilität danach
- Kompression: Oberschenkelstrümpfe Klasse 2
- Besonderheit: Bücken ist nach der OP oft eingeschränkt — Anziehhilfe oder Hilfe durch Angehörige nötig
Nach Venen-OP (Stripping, Laser, Verödung)
- Kompression ist hier doppelt wichtig: Thromboseprophylaxe + Unterstützung des Heilungsprozesses
- Nach Stripping: Kompressionsstrumpf Klasse 2, 4–6 Wochen Tag und Nacht (erste Woche), dann tagsüber
- Nach Verödung: Kompression ab sofort, mind. 2–3 Wochen
- Nach Laser/Radiofrequenz: Kompression Klasse 2, 2–4 Wochen
- Arm-Thrombose: Selten, aber möglich — besonders bei Lymphknotenentfernung
- Bein-Kompression: Kniestrümpfe als Thromboseprophylaxe (Klasse 1–2) — weil die OP unter Vollnarkose stattfindet
- Kompressions-BH: Für die Brust — stabilisiert, reduziert Schwellung, unterstützt die Heilung
- Bei Lymphödem-Risiko: Frühzeitig Arm-Kompression einplanen
Nach Kaiserschnitt
- Risiko: Mittel bis hoch — Schwangerschaft + OP + Immobilisierung
- Kompression: ATS im Krankenhaus, dann Kompressionsstrümpfe Klasse 2 für mind. 6 Wochen
- Zusätzlich: Heparin-Spritzen für mind. 6 Wochen (Wochenbett)
Kompression auf Reisen — Thromboseprophylaxe unterwegs
Langes Sitzen im Flugzeug, Auto oder Zug erhöht das Thromboserisiko — auch ohne vorangegangene OP:
Flugthrombose (Economy-Class-Syndrom)
- Risiko: Ab 4 Stunden Flugzeit steigt das Thromboserisiko — niedriger Kabinendruck, trockene Luft, enger Sitz, wenig Bewegung
- Kompression: Kniestrümpfe Klasse 1 — für jeden Flugreisenden empfohlen, bei Risikofaktoren dringend
- Vor dem Flug: Morgens anziehen, nicht erst am Flughafen
- Während des Flugs:
- Fußwippe alle 15 Minuten
- Alle 1–2 Stunden aufstehen und durch den Gang laufen
- Viel trinken (Wasser — kein Alkohol!)
- Gangplatz buchen
- Beine nicht übereinanderschlagen
- Nach der Landung: Strümpfe noch 2–3 Stunden anlassen — die Beine schwellen nach der Landung oft nach
Lange Autofahrten / Busreisen
- Alle 2 Stunden Pause: Aussteigen, 5 Minuten gehen
- Kompression empfohlen: Klasse 1 Kniestrümpfe — besonders bei Risikofaktoren
- Beine nicht anwinkeln: Sitz möglichst weit nach hinten
Wer braucht Reise-Kompression?
- Jeder auf Langstreckenflügen (>4 Stunden) — Klasse 1 schadet nie und hilft immer
- Dringend bei: Frühere Thrombose, Venenerkrankungen, Schwangerschaft, Pille, Übergewicht, Alter >60, kurz nach OP
- Ohne Rezept erhältlich: Reise-Kompressionsstrümpfe (Klasse 1) können Sie bei uns ohne Rezept kaufen
Wie lange nach der OP Kompression tragen?
| Situation |
Kompressionsart |
Dauer |
| Im Krankenhaus (liegend) |
ATS (weiße Klinikstrümpfe) |
Bis zur Mobilisierung |
| Nach Knie-/Hüft-TEP |
MKS Klasse 2 |
4–6 Wochen (mind.) |
| Nach Venen-OP (Stripping) |
MKS Klasse 2 |
4–6 Wochen |
| Nach Verödung |
MKS Klasse 2 |
2–3 Wochen |
| Nach Liposuktion |
Kompressionsbandage/-mieder |
6 Wochen, dann Flachstrick |
| Nach Thrombose |
MKS Klasse 2–3 |
Mind. 2 Jahre, oft lebenslang |
| Flugreise (>4h) |
MKS Klasse 1 |
Während des Flugs + 2–3h danach |
| Kaiserschnitt / Wochenbett |
MKS Klasse 2 |
Mind. 6 Wochen |
Ihr Arzt legt die genaue Dauer fest — diese Tabelle gibt Richtwerte. Bei Risikofaktoren kann die Tragezeit deutlich länger sein.
Warnsignale nach der OP — wann sofort zum Arzt?
Trotz Prophylaxe kann eine Thrombose auftreten. Kennen Sie die Warnsignale:
- 🔴 Einseitige Beinschwellung — ein Bein deutlich dicker als das andere
- 🔴 Wadenschmerz — besonders beim Auftreten oder Anspannen der Wade
- 🔴 Überwärmung — das betroffene Bein fühlt sich wärmer an
- 🔴 Bläuliche Verfärbung — livide Verfärbung des Beins
- 🔴 Spannungsgefühl — Bein fühlt sich prall und gespannt an
Und sofort den Notarzt bei:
- 🚨 Plötzliche Atemnot
- 🚨 Brustschmerzen (besonders beim Einatmen)
- 🚨 Schneller Herzschlag + Angst
- 🚨 Bluthusten
→ Das können Zeichen einer Lungenembolie sein. 112 rufen — sofort!
Häufige Fragen
„Ich habe schon Heparin-Spritzen — brauche ich trotzdem Kompressionsstrümpfe?"
Ja. Heparin und Kompression wirken auf verschiedenen Wegen und ergänzen sich. Heparin hemmt die Blutgerinnung, Kompression fördert den Blutfluss. Zusammen bieten sie den besten Schutz.
„Die ATS aus dem Krankenhaus sind unbequem — kann ich die durch bessere ersetzen?"
Ja! Sobald Sie mobil sind, können und sollten Sie auf medizinische Kompressionsstrümpfe umsteigen — die sitzen besser, sehen besser aus und haben einen höheren Druck (der im Stehen/Gehen nötig ist). Kommen Sie mit Ihrem Rezept zu uns.
„Muss ich die Strümpfe auch nachts tragen?"
ATS im Krankenhaus: ja (24h). Medizinische Kompressionsstrümpfe zu Hause: in der Regel nur tagsüber. Ausnahme: Die erste Woche nach Venen-OP — da empfehlen manche Ärzte 24-Stunden-Kompression. Fragen Sie Ihren Arzt.
„Ich kann den Strumpf nach der OP nicht selbst anziehen — was tun?"
- Anziehhilfe (Gestell): Sie spannen den Strumpf auf, steigen hinein — kein Bücken nötig. Kassenleistung auf Rezept
- Angehörige: Partner:in oder Familienmitglied kann helfen — wir zeigen die Technik
- Häusliche Pflege: Wenn ein Pflegedienst kommt, gehört das Anziehen der Kompression zur Pflege
- Wir liefern nach Hause: Wenn Sie nicht zu uns kommen können — inklusive Einweisung
„Reise-Kompression gibt es auch ohne Rezept?"
Ja! Kompressionsstrümpfe Klasse 1 für die Flugreise können Sie bei uns ohne Rezept kaufen. Wir messen Ihre Größe aus und empfehlen das passende Modell — in wenigen Minuten, ohne Termin.
Lettermann: Ihre Versorgung nach der OP
- Versorgung im Krankenhaus: Wir kommen zu Ihnen — Erstversorgung direkt in der Klinik, am Krankenbett
- Kompressionsstrümpfe: Rundstrick sofort verfügbar, Flachstrick maßgefertigt — alle Marken, alle Farben
- Kompressionsbandagen nach OP: Für Liposuktion, Venen-OP, plastische Eingriffe
- Anziehhilfen: Gestell, Gleitsocke, Butler — Kassenleistung, mit Einweisung
- Professionelles Anmessen: Sobald die postoperative Schwellung abgeklungen ist
- Reise-Kompression: Klasse 1 Kniestrümpfe — ohne Rezept, sofort mitnehmen
- Venenmessung: Kostenloser Venen-Check — auch nach der OP sinnvoll
- Hausbesuche: Wenn Sie nicht zu uns kommen können
- 9 Standorte am Niederrhein
Nach der OP beginnt die Vorsorge. Und die beginnt mit dem richtigen Strumpf.