Ratgeber-Beitrag
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Rollstuhl-Zusatzantrieb: E-Fix, Emotion und Viamobil im Vergleich

Ein manueller Rollstuhl gibt Ihnen Mobilität – aber er kann auch an seine Grenzen stoßen. Steigungen, längere Strecken oder nachlassende Kraft machen das Fahren anstrengend, sowohl für Selbstfahrer als auch für Begleitpersonen. Hier kommen Rollstuhl-Zusatzantriebe ins Spiel: kompakte Motoren, die Ihren bestehenden Rollstuhl elektrisch unterstützen, ohne dass Sie gleich auf einen Elektrorollstuhl umsteigen müssen. In diesem Vergleich stellen wir Ihnen die drei bekanntesten Systeme vor: E-Fix, Emotion und Viamobil.

Was ist ein Rollstuhl-Zusatzantrieb?

Ein Zusatzantrieb ist ein nachrüstbares Motorsystem, das an einen vorhandenen manuellen Rollstuhl montiert wird. Je nach System unterstützt es den Selbstfahrer beim Antreiben, die Begleitperson beim Schieben – oder beides. Der große Vorteil: Sie behalten Ihren vertrauten Rollstuhl und ergänzen ihn einfach um den elektrischen Antrieb.

Zusatzantriebe sind besonders sinnvoll für Menschen, die:

  • Ihren Rollstuhl noch selbst antreiben können, aber bei Steigungen oder längeren Strecken Unterstützung brauchen
  • Auf eine Begleitperson angewiesen sind, die den Rollstuhl auf Dauer nicht alleine schieben kann
  • Noch nicht auf einen Elektrorollstuhl wechseln möchten oder müssen
  • Wert auf Flexibilität legen: Antrieb bei Bedarf nutzen, sonst manuell fahren

„Die Frage ist nicht: Brauche ich einen Zusatzantrieb? Die Frage ist: Welcher passt zu meinem Alltag? E-Fix, Emotion und Viamobil lösen völlig unterschiedliche Probleme. Deshalb nehmen wir uns bei der Beratung Zeit, die Lebenssituation unserer Kunden wirklich zu verstehen – erst dann können wir das richtige System empfehlen. Und das Schönste ist: Bei uns können Sie alle drei Systeme ausprobieren, bevor Sie sich entscheiden.“

Daniel Hensen, Reha-Fachberater, Lettermann Sanitätshaus

E-Fix – Der Selbstfahrer-Antrieb

So funktioniert E-Fix

E-Fix ist ein elektrischer Zusatzantrieb, der die Hinterräder Ihres Rollstuhls durch motorisierte Räder ersetzt. Die Steuerung erfolgt über einen Joystick, der am Rollstuhl montiert wird. Sie steuern den Rollstuhl wie einen Elektrorollstuhl – aber mit dem Komfort und der vertrauten Sitzposition Ihres manuellen Rollstuhls.

Vorteile von E-Fix

  • Unabhängigkeit: Sie fahren selbstständig, ohne Begleitperson
  • Joystick-Steuerung: Einfach und intuitiv, auch bei eingeschränkter Handkraft nutzbar
  • Gute Reichweite: Je nach Modell 15–25 km pro Akkuladung
  • Schnelle Montage: Die Antriebsräder lassen sich werkzeuglos tauschen – so wechseln Sie in Sekunden zwischen manuell und elektrisch
  • Steigungen bis 20 %: Auch Hügel und Rampen sind kein Problem

Nachteile von E-Fix

  • Gewicht: Die Antriebsräder wiegen zusammen ca. 12–14 kg – der Rollstuhl wird deutlich schwerer
  • Transport: Im Auto brauchen Sie Platz für die separaten Antriebsräder
  • Preis: Höheres Preissegment (ca. 4.000–6.000 Euro), wird aber von der Kasse übernommen
  • Nicht für jede Begleitperson: E-Fix ist primär ein Selbstfahrer-System

Für wen ist E-Fix geeignet?

E-Fix ist ideal für Menschen, die:

  • Ihren Rollstuhl bisher selbst angetrieben haben, aber nachlassende Armkraft spüren
  • Einen Joystick sicher bedienen können
  • Ihre Unabhängigkeit bewahren möchten
  • Sowohl drinnen als auch draußen mobil sein wollen

Emotion – Der Greifreifenantrieb

So funktioniert Emotion

Emotion (auch: E-Motion) ist ein Zusatzantrieb, der in die Greifreifen des Rollstuhls integriert wird. Der Motor erkennt, wenn Sie am Greifring anschieben, und verstärkt Ihren Impuls elektrisch. Das Prinzip ist vergleichbar mit einem E-Bike: Sie treiben an, der Motor unterstützt. Sobald Sie aufhören zu schieben, bremst der Motor sanft ab.

Vorteile von Emotion

  • Natürliches Fahrgefühl: Sie greifen wie gewohnt in die Greifreifen – nur mit deutlich weniger Kraftaufwand
  • Gelenk- und Schulterschonend: Bis zu 80 % weniger Kraftaufwand beim Antreiben
  • Beibehaltung der Fahrtechnik: Wer bisher selbst gefahren ist, muss nicht umlernen
  • Kompakt: Kein Joystick, kein zusätzliches Steuergerät – alles steckt in den Rädern
  • Schnell abnehmbar: Die Emotion-Räder lassen sich werkzeuglos abnehmen

Nachteile von Emotion

  • Eigene Kraft nötig: Sie müssen die Greifreifen noch selbst anschieben können – ohne Eigenleistung funktioniert Emotion nicht
  • Geringere Reichweite: Je nach Modell und Nutzung ca. 10–15 km
  • Gewicht: Auch hier kommen ca. 10–13 kg Zusatzgewicht hinzu
  • Nicht für Begleitpersonen: Emotion unterstützt nur den Selbstfahrer

Für wen ist Emotion geeignet?

Emotion passt zu Menschen, die:

  • Ihren Rollstuhl noch aktiv selbst antreiben können und wollen
  • Ein möglichst natürliches Fahrgefühl schätzen
  • Die Greifreifen-Technik beibehalten möchten
  • Vor allem Unterstützung bei Steigungen und längeren Strecken brauchen

Viamobil – Der Schiebehilfe-Antrieb

So funktioniert Viamobil

Viamobil ist eine elektrische Schiebehilfe, die an den Schiebegriffen des Rollstuhls montiert wird. Der Motor unterstützt die Begleitperson beim Schieben – besonders bergauf, bergab und auf unebenen Wegen. Viamobil ist also kein Selbstfahrer-System, sondern eine Hilfe für die Person hinter dem Rollstuhl.

Vorteile von Viamobil

  • Entlastung der Begleitperson: Steigungen, Kopfsteinpflaster und Bordsteine werden deutlich einfacher
  • Bergab-Bremse: Automatische Bremswirkung bergab für mehr Sicherheit
  • Einfache Montage: An fast jeden Rollstuhl nachrüstbar
  • Leicht abnehmbar: Bei Nichtgebrauch schnell entfernt
  • Gute Reichweite: Ca. 10–15 km je nach Gelände und Belastung

Nachteile von Viamobil

  • Begleitperson nötig: Viamobil funktioniert nicht ohne jemanden, der schiebt
  • Zusatzgewicht: Ca. 8–10 kg am Rollstuhl
  • Kein Selbstfahren möglich: Der Rollstuhlfahrer hat keine eigene Steuerung
  • Eingeschränkte Wendigkeit: In sehr engen Räumen kann der Anbau am Schiebegriff hinderlich sein

Für wen ist Viamobil geeignet?

Viamobil ist ideal, wenn:

  • Der Rollstuhlfahrer den Rollstuhl nicht selbst antreiben kann
  • Die Begleitperson Unterstützung braucht (z. B. bei körperlicher Einschränkung oder bei häufigen Steigungen)
  • Ausflüge und Spaziergänge im Außenbereich geplant sind
  • Sicherheit bergab besonders wichtig ist

Der direkte Vergleich auf einen Blick

  • Antriebsart: E-Fix = Joystick | Emotion = Greifring-Verstärkung | Viamobil = Schiebehilfe
  • Zielgruppe: E-Fix = Selbstfahrer | Emotion = Aktive Selbstfahrer | Viamobil = Begleitperson + Rollstuhlfahrer
  • Eigenleistung nötig? E-Fix = Nein (Joystick) | Emotion = Ja (Anschieben) | Viamobil = Nein (Begleitperson schiebt)
  • Reichweite: E-Fix = 15–25 km | Emotion = 10–15 km | Viamobil = 10–15 km
  • Zusatzgewicht: E-Fix = 12–14 kg | Emotion = 10–13 kg | Viamobil = 8–10 kg
  • Steigfähigkeit: E-Fix = bis 20 % | Emotion = bis 17 % | Viamobil = bis 18 %
  • Preisspanne: E-Fix = 4.000–6.000 € | Emotion = 3.500–5.500 € | Viamobil = 2.500–4.000 €

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Alle drei Systeme sind als Hilfsmittel auf Rezept anerkannt und können von der Krankenkasse übernommen werden. Der Ablauf:

  1. Ärztliche Verordnung: Ihr Arzt stellt ein Rezept mit Diagnose und Begründung aus.
  2. Beratung im Sanitätshaus: Wir beraten Sie, welches System am besten passt, und ermöglichen eine Probefahrt.
  3. Kostenvoranschlag: Wir reichen den Antrag bei Ihrer Kasse ein.
  4. Genehmigung: Nach Prüfung (ggf. mit MD-Gutachten) wird der Antrieb genehmigt.
  5. Lieferung und Einweisung: Wir montieren den Antrieb an Ihrem Rollstuhl und weisen Sie in die Bedienung ein.

Die gesetzliche Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro.

💡 Tipp: Lassen Sie den Arzt klar begründen, warum ein Zusatzantrieb notwendig ist und warum ein manueller Rollstuhl allein nicht ausreicht. Wenn Sie zum Beispiel aufgrund einer fortschreitenden Parkinson-Erkrankung zunehmend Schwierigkeiten beim Antreiben haben oder Ihre Begleitperson gesundheitlich eingeschränkt ist, sollte das im Rezept stehen.

Welches System passt zu mir?

Die Wahl des richtigen Zusatzantriebs hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Hier eine Orientierungshilfe:

Wählen Sie E-Fix, wenn…

  • Sie unabhängig und selbstständig mobil sein möchten
  • Sie einen Joystick sicher bedienen können
  • Ihre Armkraft für manuelles Fahren nicht mehr ausreicht
  • Sie viel drinnen und draußen unterwegs sind

Wählen Sie Emotion, wenn…

  • Sie Ihren Rollstuhl noch aktiv antreiben können und wollen
  • Sie das Fahrgefühl eines manuellen Rollstuhls schätzen
  • Sie nur bei Steigungen und längeren Strecken Unterstützung brauchen
  • Sie möglichst viel Eigenaktivität beibehalten möchten

Wählen Sie Viamobil, wenn…

  • Sie den Rollstuhl nicht selbst antreiben können
  • Ihre Begleitperson Unterstützung beim Schieben braucht
  • Sie viel im Außenbereich unterwegs sind (Spaziergänge, Ausflüge)
  • Sicherheit bergab für Sie besonders wichtig ist

Probefahrt: Unbedingt machen!

Egal für welches System Sie sich interessieren – eine Probefahrt ist unverzichtbar. Nur so können Sie beurteilen, ob der Antrieb zu Ihnen, Ihrem Rollstuhl und Ihrem Alltag passt. In unseren Lettermann-Standorten am Niederrhein können Sie alle drei Systeme testen. Wir nehmen uns die Zeit, die Sie brauchen, und beraten Sie ehrlich – auch wenn das Ergebnis sein sollte, dass ein Zusatzantrieb für Sie nicht die beste Lösung ist.

Manchmal ist ein Elektromobil für den Außenbereich die bessere Wahl – oder ein Elektrorollstuhl. Auch darüber sprechen wir mit Ihnen. Denn es geht nicht darum, ein Produkt zu verkaufen, sondern die richtige Lösung für Ihre Mobilität zu finden.

Fazit

E-Fix, Emotion und Viamobil sind drei hervorragende Systeme mit unterschiedlichen Stärken. E-Fix macht Sie unabhängig per Joystick, Emotion verstärkt Ihre eigene Kraft beim Greifreifen-Antrieb, und Viamobil entlastet Ihre Begleitperson. Alle drei werden von der Krankenkasse übernommen und können Ihren Alltag erheblich erleichtern. Lassen Sie sich beraten – wir finden gemeinsam die beste Lösung für Sie.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Rollstuhl-Zusatzantrieb?

Je nach System liegen die Kosten zwischen ca. 2.500 und 6.000 Euro. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bei ärztlicher Verordnung und Genehmigung. Sie zahlen lediglich die gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 Euro. Bei Wunschausstattung über das Kassenmodell hinaus fällt eine private Aufzahlung an.

Kann ich den Zusatzantrieb an meinem bestehenden Rollstuhl montieren?

In den meisten Fällen ja. Alle drei Systeme sind für die Nachrüstung an gängigen manuellen Rollstühlen konzipiert. Ob Ihr konkretes Modell kompatibel ist, prüfen wir bei der Beratung – bringen Sie Ihren Rollstuhl einfach mit.

Wie weit komme ich mit einer Akkuladung?

Das hängt vom System, dem Gelände und dem Gewicht ab. E-Fix schafft ca. 15–25 km, Emotion und Viamobil jeweils ca. 10–15 km. Steigungen, Gegenwind und schwerer Untergrund reduzieren die Reichweite. Im Alltag reichen die Akkus für die meisten Erledigungen aus.

Übernimmt die Krankenkasse den Zusatzantrieb?

Ja, alle drei Systeme sind anerkannte Hilfsmittel und werden bei medizinischer Notwendigkeit von der Krankenkasse übernommen. Sie benötigen eine ärztliche Verordnung. Der Kostenvoranschlag wird vom Sanitätshaus bei der Kasse eingereicht.

Kann ich zwischen elektrischem und manuellem Betrieb wechseln?

Ja, bei allen drei Systemen. E-Fix und Emotion haben abnehmbare Antriebsräder, die Sie durch Ihre normalen Räder ersetzen können. Viamobil lässt sich ebenfalls schnell abnehmen. So bleibt Ihr Rollstuhl flexibel einsetzbar.

Welches System eignet sich bei Parkinson?

Das hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Bei noch ausreichender Armkraft ist Emotion eine gute Wahl, da es die Eigenaktivität fördert. Bei nachlassender Kraft oder Tremor bietet E-Fix mit Joystick-Steuerung mehr Sicherheit. Wenn eine Begleitperson vorhanden ist und der Betroffene nicht mehr selbst fahren kann, kommt Viamobil in Frage. Wir beraten Sie individuell.

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