Reise-Thrombose vorbeugen
06.07.2026 07:00
Endlich Urlaub – aber die Anreise hat es in sich. Ob Langstreckenflug, stundenlange Autofahrt oder Busreise: Langes Sitzen mit angewinkelten Beinen ist Gift für die Venen. Das Blut staut sich in den Beinen, die Beine schwellen an, und im schlimmsten Fall entsteht eine Thrombose – ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene. Die gute Nachricht: Mit einfachen Maßnahmen können Sie Ihr Risiko deutlich senken. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über Risikofaktoren, die richtige Kompression und praktische Tipps für Ihre nächste Reise.
Was ist eine Reisethrombose?
Bei einer Reisethrombose bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer tiefen Beinvene – meist im Unterschenkel. Die Ursache: Langes Sitzen in beengter Position verlangsamt den Blutfluss in den Beinen. Die angewinkelten Knie können die Venen zusätzlich abknicken, und die trockene Kabinenluft im Flugzeug begünstigt die Eindickung des Blutes.
Eine Thrombose kann gefährlich werden, wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge wandert – dann spricht man von einer Lungenembolie, die lebensbedrohlich sein kann.
⚠️ Wichtig: Eine Reisethrombose ist kein reines Flugzeug-Problem. Sie kann genauso bei langen Auto-, Bus- oder Bahnfahrten auftreten – überall dort, wo Sie über Stunden in einer sitzenden Position verharren.
Wer ist besonders gefährdet?
Grundsätzlich kann eine Reisethrombose jeden treffen. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich:
Hohe Risikofaktoren
● Frühere Thrombose: Wer schon einmal eine Thrombose hatte, hat ein deutlich erhöhtes Wiederholungsrisiko
● Gerinnungsstörung: Erbliche oder erworbene Störungen der Blutgerinnung
● Kürzliche Operation: Besonders an Beinen, Hüfte oder Bauch – die Thromboseprophylaxe nach OP sollte auch auf Reisen fortgesetzt werden
● Krebserkrankung: Aktive Tumorerkrankungen erhöhen das Thromboserisiko erheblich
● Gips oder Schiene am Bein: Die Ruhigstellung begünstigt Blutgerinnsel
Mittlere Risikofaktoren
Krampfadern (Varikose): Vorgeschädigte Venen sind anfälliger
Pille und Hormontherapie: Östrogen erhöht das Gerinnungsrisiko
Schwangerschaft und Wochenbett: Hormonelle Veränderungen und Druck auf die Beckenvenen
Übergewicht: Erhöhter Druck auf die Beinvenen
Alter über 60: Das Thromboserisiko steigt mit dem Alter
Herzinsuffizienz: Verlangsamter Blutfluss
Allgemeine Risikofaktoren auf Reisen
Reisedauer über 4 Stunden: Ab dieser Dauer steigt das Risiko signifikant
Enger Sitzabstand: Economy Class im Flugzeug, Rücksitz im Auto
Flüssigkeitsmangel: Zu wenig Trinken, Alkohol, Kaffee
Schlafmittel: Tiefschlaf verhindert natürliche Beinbewegungen
3 Fragen an Anna Dahm – Fachberaterin Lymphologie/Phlebologie bei Lettermann
Wie groß ist das Thromboserisiko auf Reisen wirklich?
Größer als viele denken. Schon ab vier Stunden Sitzen – egal ob im Flugzeug, im Bus oder im Auto – steigt das Risiko deutlich an. Das Blut staut sich in den Beinvenen, die Fließgeschwindigkeit sinkt. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen, nach Operationen oder in der Schwangerschaft. Aber auch bei gesunden Menschen sollte man das Thema ernst nehmen.
Reichen Reisestrümpfe aus der Drogerie?
Für gesunde Menschen auf kurzen Reisen können sie eine leichte Unterstützung sein. Aber bei erhöhtem Risiko – und das betrifft mehr Menschen als man denkt – empfehle ich immer medizinische Kompressionsstrümpfe. Der Druckverlauf ist gezielt, die Wirkung nachgewiesen. Den Unterschied spürt man sofort.
Was ist Ihr persönlicher Tipp für die nächste Reise?
Kompressionsstrümpfe anziehen, bevor Sie losfahren – nicht erst im Flugzeug. Dazu viel Wasser trinken und alle ein bis zwei Stunden die Füße kreisen lassen oder kurz aufstehen. Klingt einfach, macht aber einen riesigen Unterschied. Und: Lassen Sie sich vor der Reise im Sanitätshaus beraten. Eine kurze Messung – und Sie haben den richtigen Strumpf für unterwegs.
Reisestrümpfe vs. medizinische Kompressionsstrümpfe
Wenn es um Kompression auf Reisen geht, gibt es zwei Optionen – und der Unterschied ist wichtig:
Reisekompressionsstrümpfe
Druckstärke: Leichte Kompression, etwa 15–20 mmHg
Zweck: Vorbeugung bei gesunden Menschen ohne besondere Risikofaktoren
Erhältlich: Im Sanitätshaus, in der Apotheke, teilweise online
Kein Rezept nötig: Frei verkäuflich
Kosten: Ca. 15–40 Euro
Geeignet für: Gesunde Reisende, die ihre Beine auf langen Reisen unterstützen möchten
Medizinische Kompressionsstrümpfe
Druckstärke: Definierter, abgestufter Druck je nach Kompressionsklasse (Klasse 1: 18–21 mmHg, Klasse 2: 23–32 mmHg)
Zweck: Therapeutische Wirkung bei bestehenden Venenerkrankungen oder erhöhtem Risiko
Erhältlich: Im Sanitätshaus, individuell vermessen
Rezept sinnvoll: Für Kostenübernahme durch die Kasse
Geeignet für: Menschen mit Krampfadern, früherer Thrombose, Lipödem , Lymphödem oder anderen Risikofaktoren
Die Faustregel: Wenn Sie gesund sind und keine Risikofaktoren haben, können Reisekompressionsstrümpfe ausreichen. Sobald Risikofaktoren vorliegen, sollten Sie medizinische Kompressionsstrümpfe tragen – und das unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Mehr zum Unterschied erfahren Sie in unserem Ratgeber über das richtige Anziehen von Kompressionsstrümpfen .
So tragen Sie Kompressionsstrümpfe auf Reisen richtig
Morgens anziehen: Ziehen Sie die Strümpfe morgens an, bevor die Beine anschwellen.
Während der gesamten Reise tragen: Die Strümpfe sollten während der kompletten Reisezeit am Bein bleiben.
Richtig sitzen: Die Strümpfe müssen faltenfrei sitzen. Falten können einschnüren und die Wirkung umkehren.
Kniestrümpfe reichen meist: Für die Reisethrombose-Prophylaxe sind wadenlange Kompressionsstrümpfe in der Regel ausreichend.
Am Zielort weitertragen: Idealerweise tragen Sie die Strümpfe noch einige Stunden nach der Ankunft.
7 praktische Tipps gegen Reisethrombose
Kompression ist der wichtigste Baustein – aber nicht der einzige. Mit diesen zusätzlichen Maßnahmen schützen Sie Ihre Venen auf Reisen:
1. Viel trinken
Trinken Sie mindestens einen Viertelliter pro Reisestunde – am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Vermeiden Sie Alkohol und übermäßig viel Kaffee, da beides entwässert.
2. Regelmäßig bewegen
Stehen Sie im Flugzeug oder bei Pausen auf und gehen Sie ein paar Schritte. Im Auto: Alle 1–2 Stunden eine Pause mit kurzem Spaziergang einlegen.
3. Fußgymnastik am Platz
Auch im Sitzen können Sie Ihre Venenpumpe aktivieren:
Fußwippen: Heben Sie abwechselnd Fersen und Zehenspitzen an – 10-mal wiederholen, alle 30 Minuten
Fußkreisen: Kreisen Sie die Füße in beide Richtungen
Zehen greifen: Krallen Sie die Zehen zusammen und strecken Sie sie wieder
Wadenpresse: Drücken Sie die Füße fest gegen den Boden und halten Sie 5 Sekunden
4. Bequeme Kleidung
Vermeiden Sie enge Hosen, einschnürende Socken und Gürtel, die den Blutfluss behindern. Wählen Sie lockere, bequeme Kleidung für die Reise.
5. Beine nicht übereinanderschlagen
So verlockend es sein mag – Beine übereinanderschlagen komprimiert die Venen am Knie und behindert den Blutfluss. Halten Sie die Beine möglichst gerade und nutzen Sie den vorhandenen Fußraum.
6. Gangplatz wählen
Im Flugzeug und im Zug: Der Gangplatz gibt Ihnen mehr Beinfreiheit und erleichtert das regelmäßige Aufstehen. Buchen Sie, wenn möglich, einen Platz mit mehr Beinfreiheit.
7. Auf Schlafmittel verzichten
Schlafmittel unterdrücken natürliche Beinbewegungen im Schlaf und können das Thromboserisiko erhöhen. Wenn Sie schlafen möchten, achten Sie auf eine gute Beinposition und tragen Sie unbedingt Kompressionsstrümpfe.
Spezialfall Langstreckenflug
Im Flugzeug kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen:
Niedriger Kabinendruck: Entspricht etwa 1.800–2.400 m Höhe. Die Venen weiten sich, der Blutfluss verlangsamt sich.
Trockene Luft: Die Kabinenfeuchtigkeit liegt bei nur 10–15 %. Das Blut dickt ein.
Enger Sitzabstand: Besonders in der Economy Class ist die Beinfreiheit stark eingeschränkt.
Lange Sitzzeit: Auf Langstreckenflügen sitzen Sie oft 8–12 Stunden oder länger.
Deshalb gilt: Je länger der Flug, desto wichtiger sind Kompressionsstrümpfe, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung.
Spezialfall Autofahrt
Auch auf langen Autofahrten – etwa in den Urlaub – steigt das Thromboserisiko. Besonders, wenn Sie am Steuer sitzen und Pausen hinauszögern.
Alle 1–2 Stunden Pause: Steigen Sie aus, gehen Sie ein paar Minuten, machen Sie Dehnübungen.
Fußgymnastik an der Ampel: Nutzen Sie rote Ampeln und Staus für Fußwippen und Wadenpressen.
Kompressionsstrümpfe tragen: Gerade bei Fahrten über 4 Stunden empfehlenswert.
Sitzposition optimieren: Stellen Sie den Sitz so ein, dass die Knie nicht zu stark angewinkelt sind.
Wann zum Arzt?
Suchen Sie nach einer langen Reise sofort einen Arzt auf, wenn Sie folgende Symptome bemerken:
Einseitige Schwellung eines Beins (besonders Wade oder Fußknöchel)
Schmerzen in der Wade, die sich wie ein Muskelkater anfühlen, aber nur auf einer Seite
Überwärmung oder Rötung eines Beins
Spannungsgefühl im Bein
Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen oder Husten nach einer Reise (Hinweis auf Lungenembolie – sofort Notruf!)
⚠️ Achtung: Eine Thrombose kann auch noch Tage nach der Reise auftreten. Bleiben Sie in den ersten 1–2 Wochen nach einer Langstreckenreise aufmerksam.
Kompressionsstrümpfe für die Reise bei Lettermann
In unseren Lettermann-Standorten beraten wir Sie gerne zur richtigen Reisekompression:
Reisekompressionsstrümpfe: Für gesunde Reisende ohne besondere Risiken – sofort zum Mitnehmen.
Medizinische Kompressionsstrümpfe: Bei Risikofaktoren – individuell vermessen, mit ärztlicher Verordnung.
Beratung: Wir helfen Ihnen einzuschätzen, welche Kompression für Sie richtig ist.
Falls Sie bereits Kompressionsstrümpfe tragen: Prüfen Sie vor der Reise, ob sie noch gut sitzen und die Kompression noch ausreicht. Strümpfe, die älter als sechs Monate sind, sollten ersetzt werden. Lesen Sie auch unsere Tipps für Kompression im Sommer – denn die meisten Fernreisen fallen in die warme Jahreszeit.
Fazit
Eine Reisethrombose ist selten, aber vermeidbar. Mit den richtigen Kompressionsstrümpfen, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßiger Bewegung können Sie Ihr Risiko drastisch senken. Besonders wenn Risikofaktoren vorliegen, sollten Sie sich vor der Reise beraten lassen – Ihr Arzt und wir bei Lettermann helfen Ihnen gerne. Denn die Reise soll beim Abenteuer beginnen – nicht bei den Beschwerden.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Reisedauer sollte ich Kompressionsstrümpfe tragen?
Bei Reisen über 4 Stunden empfehlen Experten das Tragen von Kompressionsstrümpfen, besonders wenn Risikofaktoren vorliegen. Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren sind Reisekompressionsstrümpfe eine gute Wahl. Bei bestehenden Venenerkrankungen sollten Sie medizinische Kompressionsstrümpfe tragen.
Reichen Stützstrümpfe aus der Drogerie für die Reisethrombose-Prophylaxe?
Stützstrümpfe haben nur einen sehr leichten, nicht definierten Druck und bieten keinen nachgewiesenen Schutz vor Thrombosen. Für die Reise sollten Sie mindestens Reisekompressionsstrümpfe mit definiertem Druckverlauf tragen. Bei Risikofaktoren sind medizinische Kompressionsstrümpfe notwendig.
Kann ich während des Flugs Kompressionsstrümpfe anziehen?
Idealerweise ziehen Sie die Strümpfe morgens vor der Reise an, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind. Im Flugzeug anziehen ist möglich, aber schwieriger, da die Beine bereits leicht angeschwollen sein können und der Platz begrenzt ist. Planen Sie lieber voraus.
Brauche ich auf jeder Flugreise Kompressionsstrümpfe?
Auf Kurzstreckenflügen (unter 2 Stunden) ist das Risiko gering. Bei Flügen über 4 Stunden sind Kompressionsstrümpfe empfehlenswert – besonders bei Risikofaktoren. Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich beraten.
Zahlt die Krankenkasse Reisestrümpfe?
Einfache Reisekompressionsstrümpfe werden in der Regel nicht von der Kasse bezahlt, da sie frei verkäuflich sind. Medizinische Kompressionsstrümpfe, die Ihnen Ihr Arzt verordnet, werden von der Kasse übernommen – und diese können Sie natürlich auch auf Reisen tragen.
Welche Übungen kann ich im Flugzeug machen, um einer Thrombose vorzubeugen?
Die einfachste Übung: Fußwippen. Heben Sie abwechselnd Fersen und Zehenspitzen an, je 10-mal, alle 30 Minuten. Ergänzen Sie das durch Fußkreisen, Zehengreifen und gelegentliches Aufstehen und Gehen. Diese Übungen aktivieren die Wadenmuskelpumpe und halten den Blutfluss in Gang.