Ratgeber-Beitrag
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Kompressionsstrümpfe anziehen: 5 Methoden die funktionieren

„Die Strümpfe sind toll — aber das Anziehen ist die Hölle." Diesen Satz hören wir im Sanitätshaus fast täglich. Und er ist der häufigste Grund, warum Kompressionsstrümpfe in der Schublade landen statt am Bein. Das ist schade — denn mit der richtigen Technik und den passenden Hilfsmitteln geht es deutlich leichter.

Warum sind Kompressionsstrümpfe so schwer anzuziehen?

Kompressionsstrümpfe sind absichtlich eng — das ist kein Fehler, das ist ihre Funktion. Sie üben von unten nach oben abnehmenden Druck aus und treiben so das Blut zurück zum Herzen. Je höher die Kompressionsklasse (I bis IV), desto fester das Material.

Aber: Eng bedeutet nicht, dass es ein Kraftakt sein muss. In den meisten Fällen liegt es an der falschen Technik — nicht am Strumpf.

Methode 1: Die Stülp-Technik (ohne Hilfsmittel)

Die Grundtechnik, die jeder beherrschen sollte:

  1. Strumpf auf links drehen bis zur Ferse — so entsteht eine kleine „Tasche"
  2. In die Fußspitze greifen und den Fuß hineinsetzen
  3. Ferse positionieren — die Ferse muss exakt im Fersenteil sitzen!
  4. Strumpf Stück für Stück nach oben rollen — nicht ziehen, sondern rollen
  5. Falten glattstreichen — keine Falten = kein Einschnüren

Wichtig: Ziehen Sie Kompressionsstrümpfe morgens an, bevor die Beine anschwellen. Am besten direkt nach dem Aufstehen oder nach dem Duschen (Beine gut abtrocknen!).

Methode 2: Mit Gummihandschuhen

Der einfachste Trick, den viele nicht kennen:

  • Ziehen Sie Haushalts-Gummihandschuhe an (die gelben aus der Küche)
  • Der Gummi greift am Strumpf — Sie rutschen nicht mehr ab
  • Sie brauchen deutlich weniger Kraft
  • Auch das Glattstreichen von Falten geht viel besser

Kostet 2 € und macht einen riesigen Unterschied. Unser meistgegebener Tipp!

Methode 3: Offene-Spitze-Gleiter (Anziehhilfe „Easy Slide")

Für alle, die sich nicht gut bücken können oder wenig Kraft in den Händen haben:

  1. Den Gleiter (glattes Stoffstück) über den Fuß ziehen
  2. Kompressionsstrumpf über den Gleiter schieben — er rutscht fast von allein
  3. Gleiter vorne an der offenen Spitze herausziehen

Funktioniert bei offenen Spitzen (die meisten Modelle). Besonders beliebt bei Venenleiden mit Klasse II und III.

Methode 4: Gestell-Anziehhilfe (Metallrahmen)

Die Lösung für Menschen mit stark eingeschränkter Beweglichkeit:

  1. Strumpf wird über einen Metallbügel gespannt
  2. Sie stellen den Fuß einfach hinein
  3. Den Strumpf am Bügel hochschieben

Ideal bei Arthrose in Hüfte oder Knie, nach Schlaganfall oder bei starkem Übergewicht (Adipositas). Die Anziehhilfe ist ein Hilfsmittel auf Rezept — Ihr Arzt kann sie verordnen!

Methode 5: Elektrische Anziehhilfe

Für schwerste Fälle gibt es motorisierte Anziehhilfen, die den Strumpf per Knopfdruck über das Bein ziehen. Sie sind teurer, aber für manche Patienten die einzige Möglichkeit, selbstständig zu bleiben.

Sprechen Sie uns an — wir beraten, welche Methode für Ihre Situation die beste ist.

Die häufigsten Fehler beim Anziehen

  • Strumpf greifen und hochzerren → Material wird beschädigt, Druckverteilung stimmt nicht mehr
  • Ferse nicht richtig positioniert → Druckstellen, Falten, Schmerzen
  • Eincremen direkt vor dem Anziehen → Strumpf rutscht nicht drüber. Tipp: Abends cremen, morgens anziehen
  • Alte, ausgeleierte Strümpfe tragen → Nach 6 Monaten verlieren sie ihre Wirkung. Alle 6 Monate steht Ihnen ein neues Paar zu!
  • Zu große oder zu kleine Größe → Strümpfe müssen exakt vermessen werden. Nicht im Internet bestellen — zu uns kommen!

Flachstrick vs. Rundstrick: Was ist der Unterschied?

Kurz erklärt, weil es beim Anziehen einen großen Unterschied macht:

  • Rundstrick (das „normale" Modell): Nahtlos gestrickt, elastisch, einfacher anzuziehen. Für Venenleiden, leichte Ödeme.
  • Flachstrick (mit Naht): Fester, weniger elastisch, schwerer anzuziehen — aber unverzichtbar bei Lymphödem und Lipödem. Hier ist eine Anziehhilfe fast immer sinnvoll.

Pflege: So halten Ihre Strümpfe länger

  • Täglich waschen (bei 30–40 °C, Feinwaschmittel)
  • Nicht in den Trockner!
  • Nicht auf der Heizung trocknen
  • Zwei Paar im Wechsel tragen — eins waschen, eins tragen
  • Fingernägel und Fußnägel kurz halten (Laufmaschen!)

Alle 6 Monate: Neue Strümpfe auf Rezept

Wussten Sie? Sie haben Anspruch auf zwei Paar Kompressionsstrümpfe pro Halbjahr. Das heißt: Alle 6 Monate können Sie mit einem neuen Rezept zu uns kommen und frische Strümpfe bekommen.

Wir vermessen Ihre Beine jedes Mal neu — denn Beinumfänge verändern sich. So stellen wir sicher, dass Ihre Kompression immer optimal sitzt.

Kommen Sie vorbei — in einer unserer Filialen mit Venenmessung beraten wir Sie gerne:

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