Dekubitus vorbeugen – Lagerung, Hilfsmittel & Hautpflege
13.08.2026 07:00
Ein Dekubitus – im Volksmund Druckgeschwür oder „Wundliegen" – gehört zu den häufigsten und zugleich vermeidbarsten Komplikationen bei bettlägerigen oder immobilen Menschen. In Deutschland entwickeln jährlich etwa 400.000 Menschen ein Druckgeschwür. Das Schmerzhafte daran: Die meisten dieser Fälle wären mit den richtigen Maßnahmen vermeidbar gewesen.
Ob Sie selbst betroffen sind, einen Angehörigen pflegen oder beruflich in der Pflege arbeiten – in diesem Ratgeber erfahren Sie, wie ein Dekubitus entsteht, wer besonders gefährdet ist und welche Maßnahmen bei Lagerung, Hilfsmitteln und Hautpflege wirklich schützen.
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes , die durch anhaltenden Druck entsteht. Wenn eine Körperstelle über längere Zeit belastet wird – zum Beispiel durch Liegen oder Sitzen in derselben Position – werden die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) zusammengedrückt. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt ab.
Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen direkt unter der Haut liegen:
● Kreuzbein und Steißbein: Die mit Abstand häufigste Stelle – rund 40 Prozent aller Dekubitalgeschwüre entstehen hier
● Fersen: Zweithäufigste Stelle, besonders bei Rückenlage
● Hüftknochen (Trochanter): Bei Seitenlage
● Schulterblätter und Wirbelsäule: Bei Rückenlage
● Knöchel, Knie, Ellenbogen und Ohren: Seltener, aber möglich – besonders bei sehr schlanken oder unterernährten Personen
● Sitzbeinhöcker: Bei Rollstuhlfahrern die häufigste Dekubitusstelle
Die vier Dekubitus-Grade
Mediziner teilen den Dekubitus in vier Schweregrade ein – je früher erkannt, desto besser die Heilungschancen:
Grad 1 – Nicht wegdrückbare Rötung: Die Haut ist intakt, zeigt aber eine Rötung, die beim Drücken mit dem Finger nicht verblasst (Fingertest). Die Stelle kann wärmer, kühler, weicher oder härter sein als die umgebende Haut. Jetzt handeln – dieser Grad ist vollständig reversibel!
Grad 2 – Teilverlust der Haut: Oberflächliche Schädigung der Haut – Blase, Abschürfung oder flaches Geschwür. Die Oberhaut (Epidermis) und Teile der Lederhaut (Dermis) sind betroffen. Noch gut behandelbar.
Grad 3 – Verlust aller Hautschichten: Tiefes, offenes Geschwür bis ins Unterhautfettgewebe. Knochen, Sehnen und Muskeln sind noch nicht sichtbar. Aufwendige Wundversorgung notwendig.
Grad 4 – Vollständiger Gewebeverlust: Tiefstes Stadium – Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen frei. Hohes Infektionsrisiko, oft chirurgische Behandlung nötig. Die Heilung dauert Wochen bis Monate.
⚠️ Wichtig: Führen Sie bei gefährdeten Personen täglich den Fingertest durch: Drücken Sie kurz mit dem Finger auf eine gerötete Stelle. Wird die Haut dabei weiß und rötet sich nach dem Loslassen wieder? Dann ist alles in Ordnung. Bleibt die Rötung bestehen, handelt es sich um einen Dekubitus Grad 1 – handeln Sie sofort und entlasten Sie die Stelle.
Risikofaktoren – wer ist besonders gefährdet?
Nicht jeder Mensch entwickelt bei gleicher Druckbelastung einen Dekubitus. Verschiedene Faktoren erhöhen das individuelle Risiko erheblich:
Eingeschränkte Mobilität
Durchblutung und Ernährung
Diabetes mellitus – Durchblutungsstörungen und gestörte Wundheilung
Durchblutungsstörungen (pAVK, Venenerkrankungen )
Mangelernährung und Untergewicht – zu wenig Unterhautfettgewebe als Polster
Dehydration – trockene, weniger elastische Haut reißt leichter
Weitere Risikofaktoren
Inkontinenz: Feuchtigkeit durch Urin oder Stuhl weicht die Haut auf und macht sie anfälliger für Druckschäden
Hohes Alter: Die Haut wird dünner, trockener und weniger widerstandsfähig
Sensorische Einschränkungen: Wer Schmerz oder Druck nicht spürt (z. B. bei Polyneuropathie ), ändert die Position nicht rechtzeitig
Fieber und Schwitzen: Feuchtigkeit und erhöhte Hauttemperatur begünstigen Druckschäden
Medikamente: Bestimmte Medikamente (z. B. Kortison, Sedativa) beeinflussen die Hautqualität oder die Eigenbewegung
💡 Gut zu wissen: Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, desto höher die Gefahr. In der professionellen Pflege werden standardisierte Skalen (z. B. Braden-Skala oder Norton-Skala) eingesetzt, um das individuelle Dekubitusrisiko zu bewerten. Fragen Sie das Pflegeteam nach der Einschätzung für Ihren Angehörigen.
Richtig lagern – der wichtigste Schutz
Die regelmäßige Umlagerung ist die wirksamste Maßnahme zur Dekubitusprophylaxe. Das Ziel: Kein Körperbereich darf über längere Zeit dem gleichen Druck ausgesetzt sein.
Grundregeln der Lagerung
Alle 2 Stunden umlagern: Als Faustregel gilt: Spätestens alle zwei Stunden die Position wechseln. Bei hohem Risiko oder bereits geschädigter Haut auch häufiger
Individuelle Intervalle: Die Umlagerungsfrequenz richtet sich nach dem individuellen Risiko – manche Patienten brauchen stündliche Positionswechsel, andere kommen mit längeren Intervallen aus
Kleine Positionswechsel zählen: Schon eine 30-Grad-Seitenlage oder das Unterlegen eines Kissens kann den Druck auf eine gefährdete Stelle ausreichend reduzieren
Nachtruhe beachten: Auch nachts muss umgelagert werden – das ist für Pflegende belastend, aber notwendig. Spezielle Matratzen (siehe unten) können die Umlagerungsintervalle verlängern
Bewährte Lagerungstechniken
30-Grad-Seitenlage: Der Körper wird in einem 30-Grad-Winkel zur Seite geneigt, gestützt durch Kissen im Rücken. Entlastet Kreuzbein und Fersen, ohne den Trochanter (Hüftknochen) zu überlasten
135-Grad-Lagerung (Schiefe Ebene): Fast auf dem Bauch liegend, mit Kissen unter Schulter und Becken gestützt. Entlastet alle typischen Druckstellen der Rückenlage
Freilagerung der Fersen: Kissen oder spezielle Fersenpolster unter die Waden legen, sodass die Fersen frei in der Luft „schweben". Fersen sind die zweithäufigste Dekubitusstelle!
Mikrolagerung: Kleine Positionswechsel durch Unterlagen (z. B. gefaltetes Handtuch, kleines Kissen), die den Druck nur leicht verschieben – ergänzend zur großen Umlagerung
⚠️ Achtung: Verwenden Sie keine Ringkissen (sogenannte Sitzringe) – sie entlasten zwar die Mitte, erhöhen aber den Druck am Rand und können die Durchblutung zusätzlich beeinträchtigen. Das Gleiche gilt für aufblasbare „Schwimmringe" als Sitzhilfe. Setzen Sie stattdessen auf flächige Druckentlastung.
Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe
Neben der manuellen Umlagerung gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die den Druck auf gefährdete Körperstellen reduzieren. Die richtige Auswahl hängt vom individuellen Risiko und der Lebenssituation ab.
Anti-Dekubitus-Matratzen
Die Matratze ist das wichtigste Hilfsmittel für bettlägerige Menschen. Es gibt verschiedene Systeme:
Statische Systeme (reaktiv): Viskoelastische Schaumstoffmatratzen oder Gelmatratzen, die sich der Körperform anpassen und den Druck großflächig verteilen. Für leichtes bis mittleres Risiko. Kein Strom nötig, geräuschlos, pflegeleicht
Dynamische Systeme (aktiv): Wechseldruckmatratzen mit Luftkammern, die abwechselnd aufgepumpt und entleert werden – der Druck verlagert sich automatisch. Für mittleres bis hohes Risiko. Benötigen Strom und eine Pumpe
Niedrigdruckmatratzen (Low-Air-Loss): Hochwertige Systeme mit kontinuierlichem Luftstrom, der auch die Feuchtigkeit an der Hautoberfläche reduziert. Für hohes bis sehr hohes Risiko
Hybridmatratzen: Kombinieren statische und dynamische Elemente – z. B. viskoelastischer Schaum mit integrierten Luftkammern
💡 Wichtig: Auch die beste Matratze ersetzt nicht die regelmäßige Umlagerung – sie kann aber die Intervalle verlängern und den Pflegeaufwand reduzieren. Lassen Sie sich individuell beraten, welches System zu Ihrer Situation passt.
Anti-Dekubitus-Sitzkissen
Für Rollstuhlfahrer und Menschen, die lange sitzen, sind spezielle Sitzkissen unverzichtbar:
Viskoelastische Schaumkissen: Passen sich der Sitzform an und verteilen den Druck gleichmäßig. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, pflegeleicht. Für leichtes bis mittleres Risiko
Gelkissen: Bieten sehr gute Druckverteilung und bleiben kühl. Etwas schwerer, aber langlebig. Für mittleres Risiko
Luftkissen: Individuell einstellbare Druckverteilung durch Luftkammern. Für mittleres bis hohes Risiko. Müssen regelmäßig nachgepumpt und kontrolliert werden
Hybridkissen: Kombination aus Schaumstoff und Gel oder Luft – vereinen die Vorteile verschiedener Materialien
Die Wahl des richtigen Sitzkissens hängt von vielen Faktoren ab: Körpergewicht, Sitzzeit, Risikostufe, Art des Rollstuhls und persönliche Vorlieben. Bei Lettermann analysieren wir Ihre Sitzsituation und empfehlen das passende System. Eine Druckverteilungsmessung kann dabei helfen, die optimale Entlastung sichtbar zu machen.
Weitere Hilfsmittel
Lagerungskissen und -keile: Aus viskoelastischem Schaum – zum Unterpolstern, Stützen und Positionieren. Verschiedene Formen für Rücken, Knie, Fersen und Arme
Fersenschoner und Fersenpolster: Spezielle Polster oder Schienen, die die Fersen komplett druckfrei lagern – unverzichtbar bei Rückenlage
Transferhilfen und Gleithilfen: Reduzieren Scherkräfte beim Umlagern – die Haut wird weniger beansprucht und das Pflegepersonal geschont
Aufrichthilfen und Pflegebetten: Elektrisch verstellbare Betten erleichtern die Positionswechsel und die Eigenmobilisation des Patienten
Hautpflege – die zweite Säule der Vorbeugung
Gesunde, gut gepflegte Haut widersteht Druckbelastungen deutlich besser als trockene, vorgeschädigte Haut. Die richtige Hautpflege ist deshalb ein unverzichtbarer Baustein der Dekubitusprophylaxe:
Tägliche Hautpflege
Haut täglich inspizieren: Schauen Sie sich die gefährdeten Stellen (Kreuzbein, Fersen, Hüftknochen) jeden Tag an. Bei dunkler Hautfarbe: auf Temperaturunterschiede und Verhärtungen achten, da Rötungen schwerer sichtbar sind
Sanft reinigen: pH-neutrale, seifenfreie Waschlotion verwenden. Keine aggressiven Seifen oder Desinfektionsmittel auf intakter Haut. Nicht rubbeln, sondern tupfen
Trockene Haut eincremen: Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte mit Urea (Harnstoff) halten die Haut geschmeidig und widerstandsfähig. Besonders wichtig an den Unterschenkeln und Fersen
Feuchtigkeit vermeiden: Feuchte Haut (durch Schweiß, Inkontinenz oder Wundexsudat) ist besonders gefährdet. Inkontinenzmaterial regelmäßig wechseln, Hautschutzcremes verwenden
Kein Puder: Puder klumpt bei Feuchtigkeit und kann zusätzliche Reibung verursachen
Hautschutz bei Inkontinenz
Inkontinenz ist einer der stärksten Risikofaktoren für Dekubitus. Urin und Stuhl weichen die Haut auf und verändern den pH-Wert – die natürliche Schutzbarriere wird zerstört:
Inkontinenzmaterial sofort wechseln – nicht abwarten, bis es „voll" ist
Hautschutzcreme (z. B. Zinkoxid-haltige Barrierecreme) auf die gefährdeten Bereiche auftragen – sie bildet eine Schutzschicht gegen Feuchtigkeit
Hautreinigungs-Schaumsprays: Schonender als Wasser und Seife, rückfettend, schnell – ideal für die Intimhygiene bei Inkontinenz
Bei schwerer Inkontinenz: Ableitendes System in Erwägung ziehen – Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
💡 Tipp: Achten Sie auf die Ernährung – sie wird bei der Dekubitusprophylaxe oft unterschätzt. Eine eiweißreiche Ernährung mit ausreichend Vitaminen (besonders Vitamin C und Zink) und genug Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter pro Tag) unterstützt die Hautgesundheit und die Wundheilung erheblich.
Bewegung fördern – so viel wie möglich
Die beste Dekubitusprophylaxe ist Bewegung . Jeder noch so kleine Positionswechsel entlastet die Haut und regt die Durchblutung an:
Eigenmobilisation fördern: Ermutigen Sie Betroffene, sich so viel wie möglich selbst zu bewegen – auch kleine Gewichtsverlagerungen im Bett oder Rollstuhl helfen
Aufstehen und Gehen: Wenn möglich, regelmäßig aufstehen und ein paar Schritte gehen – selbst mit Rollator oder Gehstützen
Sitzposition regelmäßig verändern: Rollstuhlfahrer sollten alle 15–30 Minuten das Gewicht verlagern – durch seitliches Neigen, Abstützen auf den Armlehnen oder kurzes Anheben des Gesäßes
Physiotherapie: Physiotherapie kann die Restmobilität erhalten und verbessern – jede gewonnene Bewegung senkt das Dekubitusrisiko
Kostenübernahme – welche Hilfsmittel zahlt die Kasse?
Anti-Dekubitus-Hilfsmittel sind in der Regel Kassenleistungen . Sie benötigen eine ärztliche Verordnung:
Anti-Dekubitus-Matratzen: Werden bei entsprechendem Risiko von der Krankenkasse übernommen – sowohl statische als auch dynamische Systeme
Anti-Dekubitus-Sitzkissen: Verordnungsfähig für Rollstuhlfahrer und bei erhöhtem Dekubitusrisiko
Lagerungshilfsmittel: Kissen, Keile, Fersenschoner – verordnungsfähig
Pflegebetten und Aufrichthilfen: Bei entsprechender Indikation über die Krankenkasse oder Pflegeversicherung
Die gesetzliche Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro pro Hilfsmittel. Bei einem anerkannten Pflegegrad stehen zudem monatlich 40 Euro für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (z. B. Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel) zur Verfügung.
Ausführliche Informationen zum Verordnungsprozess finden Sie in unseren Ratgebern:
💡 Unser Service: Bei Lettermann beraten wir Sie umfassend zu Anti-Dekubitus-Hilfsmitteln – von der Risikoeinschätzung über die Produktauswahl bis zur Abwicklung mit der Krankenkasse. Wir liefern Matratzen und Sitzkissen auch nach Hause und weisen Sie in die Handhabung ein. An allen 9 Standorten am Niederrhein .
Wenn es doch passiert – Wundversorgung bei Dekubitus
Trotz aller Vorsorge kann es zu einem Dekubitus kommen – besonders bei schwer kranken oder hochbetagten Menschen. Dann ist schnelles, professionelles Handeln entscheidend:
Sofort entlasten: Die betroffene Stelle muss komplett druckfrei gelagert werden – keine Ausnahme
Arzt informieren: Jeder Dekubitus ab Grad 2 muss ärztlich beurteilt und behandelt werden
Professionelle Wundversorgung: Lettermann bietet im Bereich Wundmanagement spezialisierte Versorgung für chronische Wunden. Unsere geschulten Fachkräfte arbeiten eng mit Ärzten und Pflegediensten zusammen
Ursache beseitigen: Die beste Wundversorgung hilft nicht dauerhaft, wenn der Auslöser – der Druck – nicht beseitigt wird. Lagerung, Hilfsmittel und Hautpflege müssen gleichzeitig optimiert werden
⚠️ Achtung: Versuchen Sie niemals, einen Dekubitus ab Grad 2 selbst zu behandeln. Offene Wunden müssen professionell versorgt werden – falsche Maßnahmen (z. B. Föhnen, Eisen, Rotlicht oder ungeeignete Salben) können die Wunde verschlimmern.
Checkliste Dekubitusprophylaxe
Die wichtigsten Maßnahmen auf einen Blick:
☐ Risiko einschätzen – Braden-Skala oder Norton-Skala, Arzt/Pflege befragen
☐ Regelmäßig umlagern – mindestens alle 2 Stunden, auch nachts
☐ Druckentlastende Matratze – passend zum Risikograd
☐ Sitzkissen – für Rollstuhlfahrer oder bei langem Sitzen
☐ Fersen freilagern – Kissen unter die Waden, Fersen „schweben" lassen
☐ Haut täglich inspizieren – Fingertest an gefährdeten Stellen
☐ Haut pflegen – eincremen, sanft reinigen, Feuchtigkeit vermeiden
☐ Ernährung sicherstellen – eiweißreich, genug Flüssigkeit, Vitamine
☐ Bewegung fördern – jede Eigenbewegung unterstützen
☐ Keine Ringkissen verwenden – flächige Druckentlastung stattdessen
Für eine individuelle Beratung rund um Anti-Dekubitus-Hilfsmittel, Wundversorgung und Pflegehilfsmittel stehen wir Ihnen an unseren Standorten am Niederrhein zur Verfügung. Rufen Sie uns an unter 0 21 62 / 3 73 97 0 oder nutzen Sie unser Kontaktformular .
Zusammengefasst: Ein Dekubitus ist schmerzhaft und langwierig – aber in den meisten Fällen vermeidbar. Regelmäßige Umlagerung, passende Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus-Matratzen und Sitzkissen, sorgfältige Hautpflege und eine gute Ernährung bilden die vier Säulen der Vorbeugung. Wir bei Lettermann beraten Sie umfassend und helfen Ihnen, die richtigen Hilfsmittel zu finden – damit es gar nicht erst so weit kommt.
Häufige Fragen zur Dekubitusprophylaxe
Was ist ein Dekubitus und wie entsteht er?
Ein Dekubitus (Druckgeschwür, „Wundliegen") ist eine Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes durch anhaltenden Druck. Wenn eine Körperstelle zu lange belastet wird, werden die Blutgefäße zusammengedrückt, das Gewebe wird nicht mehr versorgt und stirbt ab. Besonders gefährdet sind Stellen, an denen Knochen direkt unter der Haut liegen – Kreuzbein, Fersen, Hüftknochen und Sitzbeinhöcker.
Wie oft muss umgelagert werden?
Als Faustregel gilt: mindestens alle zwei Stunden. Bei hohem Risiko oder bereits vorhandenen Druckstellen kann eine häufigere Umlagerung nötig sein. Die Intervalle richten sich nach dem individuellen Risiko, der verwendeten Matratze und dem Hautzustand. Spezielle Anti-Dekubitus-Matratzen können die Intervalle verlängern, ersetzen die Umlagerung aber nicht.
Welche Matratze hilft gegen Dekubitus?
Bei leichtem bis mittlerem Risiko eignen sich viskoelastische Schaumstoffmatratzen, die sich der Körperform anpassen. Bei mittlerem bis hohem Risiko sind Wechseldruckmatratzen mit Luftkammern empfehlenswert, die den Druck automatisch verlagern. Die Auswahl hängt vom individuellen Risiko, dem Körpergewicht und der Pflegesituation ab. Bei Lettermann beraten wir Sie und helfen bei der Auswahl des passenden Systems.
Zahlt die Krankenkasse Anti-Dekubitus-Hilfsmittel?
Ja, Anti-Dekubitus-Matratzen, Sitzkissen, Lagerungshilfsmittel und Fersenschoner sind Kassenleistungen. Sie benötigen eine ärztliche Verordnung. Die Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro. Bei anerkanntem Pflegegrad stehen zudem 40 Euro monatlich für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch zur Verfügung.
Warum soll man keine Ringkissen verwenden?
Ringkissen (Sitzringe) entlasten zwar die Mitte, erhöhen aber den Druck am Rand des Rings. Dadurch wird die Durchblutung im umliegenden Gewebe zusätzlich beeinträchtigt – das Dekubitusrisiko steigt statt zu sinken. Verwenden Sie stattdessen flächige Sitzkissen aus Schaum, Gel oder Luft, die den Druck gleichmäßig verteilen.
Wie erkenne ich einen Dekubitus im Frühstadium?
Führen Sie den Fingertest durch: Drücken Sie kurz mit dem Finger auf eine gerötete Hautstelle. Wird die Haut weiß und rötet sich nach dem Loslassen wieder? Dann ist die Durchblutung intakt. Bleibt die Rötung bestehen (nicht wegdrückbar), handelt es sich um einen Dekubitus Grad 1. Handeln Sie sofort: Stelle komplett entlasten, Haut beobachten, bei Verschlechterung Arzt informieren.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Dekubitusprophylaxe?
Eine große Rolle! Mangelernährung ist einer der wichtigsten Risikofaktoren. Eiweißreiche Ernährung unterstützt den Erhalt und die Reparatur der Haut. Vitamin C fördert die Kollagenbildung, Zink unterstützt die Wundheilung. Ausreichend Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter pro Tag) hält die Haut elastisch und widerstandsfähig. Achten Sie besonders bei älteren, pflegebedürftigen Menschen auf eine ausgewogene, kalorisch ausreichende Ernährung.