Die 2-Schalenorthese: Mobilität erhalten – Amputationen vermeiden
Jeder vierte Diabetiker entwickelt im Laufe seines Lebens ein diabetisches Fußsyndrom. Was mit einem kleinen Druckgeschwür oder einer unauffälligen Wunde beginnt, kann sich zu einem lebensverändernden Problem entwickeln: chronische Wunden, tiefe Infektionen, im schlimmsten Fall eine Amputation. Allein in Deutschland werden jährlich rund 40.000 Amputationen infolge von Diabetes durchgeführt – viele davon wären vermeidbar.
Das Dilemma in der Therapie ist bekannt: Totale Ruhigstellung und Immobilisation schützen zwar den Fuß vor weiterem Druck, gefährden aber gleichzeitig Kreislauf, Muskulatur und Psyche. Patientinnen und Patienten verlieren ihre Mobilität, werden bettlägerig und entwickeln Folgeerkrankungen. Gleichzeitig erfordern offene Wunden regelmäßige Verbandswechsel – mit geschlossenen Versorgungssystemen oft nur schwer möglich.
Die 2-Schalenorthese löst genau diesen Konflikt: Sie ermöglicht konsequente Entlastung und Ruhigstellung des Fußes bei gleichzeitigem Erhalt der Gehfähigkeit. Und dank des Zwei-Schalen-Prinzips bleibt der Zugang zum Fuß für Verbandswechsel und Wundkontrolle jederzeit erhalten – ohne die Versorgung zu kompromittieren.
Was ist die 2-Schalenorthese?
Die 2-Schalenorthese ist eine sprunggelenksübergreifende bzw. kniehohe Orthese, die aus zwei separaten Carbon-Schalen besteht. Sie wird individuell nach Gipsabdruck in unserer hauseigenen Werkstatt gefertigt und exakt an die Anatomie und den Befund des jeweiligen Patienten angepasst. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gipsverbänden, TCC (Total Contact Cast) oder vorkonfektionierten Entlastungsschuhen vereint die 2-Schalenorthese mehrere entscheidende Vorteile in einer einzigen Versorgung:
- Maximale Entlastung des betroffenen Fußes durch ventrale Lastübernahme über das Schienbein
- Ruhigstellung in drei Ebenen bei gleichzeitigem Erhalt der Gehfähigkeit
- Jederzeit Zugang zum Fuß für Verbandswechsel und Wundkontrolle – der entscheidende Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen
- Individuelle Fertigung nach Gipsabdruck für optimale Passform und Funktion
- Carbon-Leichtbauweise für hohen Tragekomfort trotz maximaler Stabilität
Die 2-Schalenorthese kommt vor allem bei schweren Verläufen des diabetischen Fußsyndroms zum Einsatz – insbesondere bei tiefen Ulzera, beim Charcot-Fuß und nach Fußteilamputationen. Sie ist damit ein zentraler Baustein in der interdisziplinären Versorgung von Risikopatienten.
Technische Merkmale der 2-Schalenorthese
Die 2-Schalenorthese aus Carbon vereint durchdachte Konstruktionsprinzipien mit individueller Anpassung. Jedes Detail dient einem Ziel: dem Patienten maximale Entlastung bei bestmöglicher Mobilität zu ermöglichen.
🔧 Zwei-Schalen-Konstruktion
Zwei separate Carbon-Schalen bilden das Grundgerüst der Orthese. Dieses Konstruktionsprinzip ermöglicht jederzeit Zugang zum Fuß – für Verbandswechsel, Wundkontrolle und ärztliche Inspektion. Im Gegensatz zu geschlossenen Systemen wie dem TCC muss die Versorgung dafür nicht entfernt oder zerstört werden. Die Behandlungskontinuität bleibt gewahrt, und der Patient muss für die Wundversorgung nicht auf die Orthese verzichten.
⬆️ Ventrale Lastübernahme
Das Gewicht des Patienten wird über die vordere Schale auf das Schienbein (Tibia) übertragen. Dadurch wird der Fuß konsequent entlastet – punktuell oder großflächig, je nach individuellem Befund. Dieses Prinzip ist besonders wirksam bei tiefen Ulzera und beim Charcot-Fuß, da die betroffenen Bereiche der Fußsohle nahezu vollständig vom Körpergewicht befreit werden.
🪶 Carbon-Leichtbauweise
Carbon bietet das beste Verhältnis aus Stabilität und Gewicht unter den verfügbaren Werkstoffen in der Orthopädietechnik. Die hohe Steifigkeit des Materials ermöglicht eine zuverlässige Ruhigstellung in allen drei Ebenen – sagittal, frontal und transversal – bei minimalem Eigengewicht. Das Ergebnis: maximale Stabilität bei hohem Tragekomfort, auch über längere Zeiträume.
🦶 Diabetesadaptierte Fußbettung
Die Fußbettung wird individuell nach Abdruck gefertigt und besteht aus einem mehrschichtigen Aufbau mit einer Mindeststärke von 0,8 cm. Sie ist speziell auf die Bedürfnisse des diabetischen Fußes ausgelegt: lastumverteilend und druckreduzierend. Kritische Druckspitzen werden durch gezielte Weichbettung aufgefangen und auf eine größere Fläche verteilt. In Kombination mit der orthopädischen Maßschuhversorgung bildet sie die Basis einer umfassenden Fußdruckentlastung.
🚶 Individuelle Abrollhilfe
Eine bodenwärts konvex gewölbte Sohle ermöglicht ein kontrolliertes Abrollen beim Gehen. Die Wölbung wird individuell an den Befund des Patienten angepasst und sorgt dafür, dass der Fuß während der Standphase gezielt entlastet wird. Das Ergebnis: ein möglichst natürliches, kontrolliertes Gangbild – entscheidend für den Erhalt der Mobilität und die Akzeptanz der Versorgung im Alltag.
Indikationen: Wann kommt die 2-Schalenorthese zum Einsatz?
Die 2-Schalenorthese ist eine hochwirksame Versorgungsoption für schwere und komplexe Befunde am diabetischen Fuß. Sie wird in der Regel dann eingesetzt, wenn einfachere Maßnahmen wie orthopädische Schuhtechnik oder Einlagen allein nicht mehr ausreichen.
| Indikation |
Therapeutisches Ziel |
| Charcot-Fuß (diabetische Neuroosteoarthropathie, DNOAP) |
Ruhigstellung und Stabilisierung des Fußes in möglichst lotgerechter Stellung. Vermeidung weiterer Knochendestruktionen und Fehlstellungen. |
| Tiefe Ulzera beim diabetischen Fußsyndrom |
Konsequente Druckentlastung der betroffenen Areale bei gleichzeitiger Wundzugänglichkeit. Förderung der Wundheilung durch Reduktion mechanischer Belastung. |
| Z. n. Fußteilamputation |
Stabilisierung der veränderten Biomechanik nach Teilamputation. Vermeidung von Folgeläsionen durch Fehlbelastung des verbliebenen Fußes. |
Die Indikationsstellung erfolgt in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. Bei Lettermann arbeiten wir eng mit Diabetologen, Gefäßchirurgen, Wundtherapeuten und Pflegediensten zusammen, um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Erfahren Sie mehr über unser Wundmanagement im Bereich Home Care.
Therapieziele: Was die 2-Schalenorthese leistet
Die 2-Schalenorthese verfolgt sechs klar definierte Therapieziele. Sie gehen weit über die reine Druckentlastung hinaus und adressieren die gesamte Versorgungssituation des Patienten.
Gezielte Entlastung
Punktuelle und großflächige Druckentlastung des betroffenen Fußes – bei gleichzeitiger Mobilisierung des Patienten. Entlastung und Bewegung schließen sich nicht mehr aus.
Senkung der Amputationsrate
Durch konsequente Druckentlastung und Ruhigstellung wird die Wundheilung gefördert und das Risiko für Majoramputationen signifikant reduziert.
Vermeidung weiterer Fußläsionen
Optimale Druckverteilung durch die diabetesadaptierte Fußbettung minimiert das Risiko für neue Druckstellen und Gewebeschäden an bisher nicht betroffenen Bereichen.
Ruhigstellung
Die Carbon-Konstruktion minimiert Scherkräfte in allen drei Ebenen – sagittal, frontal und transversal. Der Fuß wird in der therapeutisch gewünschten Position gehalten.
Stabilisierung
Der Fuß wird in möglichst lotgerechter Stellung stabilisiert. Besonders beim Charcot-Fuß ist dies entscheidend, um weitere Knochendestruktionen und Fehlstellungen zu verhindern.
Erhalt der Mobilität
Der Patient bleibt gehfähig. Kreislauf und Muskulatur werden geschont, die psychische Belastung durch Immobilität wird vermieden. Das fördert Compliance und Lebensqualität.
💡 Empfehlung: Für ein optimales Gangbild und zusätzliche Sicherheit empfehlen wir die begleitende Nutzung von Unterarmgehstützen oder einem Rollator. Dies entlastet den betroffenen Fuß zusätzlich und gibt Ihnen mehr Stabilität beim Gehen. Sprechen Sie uns gerne an – wir beraten Sie auch hier umfassend.
Ihr Weg zur 2-Schalenorthese: Der Versorgungsablauf
Von der ärztlichen Verordnung bis zur fertigen Orthese begleiten wir Sie durch den gesamten Prozess. Unser Ziel: eine schnelle, unkomplizierte Versorgung – insbesondere für stationäre Patienten. In der Regel ist die Orthese innerhalb einer Woche fertig.
| Schritt |
Phase |
Beschreibung |
| 1 |
Verordnung & Kostenvoranschlag |
Ihr Arzt stellt die Verordnung aus: „2-Schalenorthese nach Gipsabdruck aus Carbon". Wir erstellen den Kostenvoranschlag und übernehmen die gesamte Kommunikation mit Ihrer Krankenkasse. Wichtig: Hilfsmittel sind nicht budgetrelevant – die Verordnung belastet nicht das Arztbudget. |
| 2 |
Abdrucknahme |
Wir nehmen einen Gipsabdruck unbelastet für die exakte Formerfassung des Fußes und Unterschenkels. Zusätzlich erfolgt ein Fußabdruck im Trittschaum unter Belastung – die Grundlage für die diabetesadaptierte Fußbettung. |
| 3 |
Individuelle Fertigung |
Die 2-Schalenorthese wird in unserer eigenen Werkstatt aus Carbon gefertigt – nach den exakten Maßen und Anforderungen des Patienten. Jede Orthese ist ein Unikat, maßgefertigt für den individuellen Befund. |
| 4 |
Fertigstellung in ca. einer Woche |
Wir garantieren eine schnelle Versorgung. Insbesondere bei stationären Patienten ist die Orthese in der Regel vor der Krankenhausentlassung fertig – damit die Versorgung nahtlos weitergehen kann. |
| 5 |
Anpassung & Abgabe |
Bei der Anprobe nehmen wir letzte Feinanpassungen vor und weisen Sie ausführlich in die Handhabung und Pflege der Orthese ein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Schalen korrekt anlegen und worauf Sie im Alltag achten sollten. |
| 6 |
Regelmäßige Kontrolle |
Die Passform wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Bedarf angepasst – in enger Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt, Pflegedienst und Wundtherapeuten. So stellen wir sicher, dass die Versorgung dauerhaft optimal funktioniert. |
⏱️ Eine Woche Fertigungszeit
Wir wissen, dass bei schweren Fußbefunden jeder Tag zählt. Deshalb garantieren wir eine schnelle Versorgung: In der Regel ist die 2-Schalenorthese innerhalb einer Woche fertiggestellt. Bei stationären Patienten sorgen wir dafür, dass die Orthese vor der Krankenhausentlassung bereitsteht – damit Ihre Behandlung ohne Unterbrechung weitergehen kann.
Ihr Ansprechpartner bei Lettermann
Alexander Seidel
Kinder- und Individual-Orthopädie
Orthopädietechnikermeister
📱 Mobil: 0152 / 030 73 218
✉️ E-Mail: aseidel@lettermann.de
Alexander Seidel ist Ihr direkter Ansprechpartner für alle Fragen rund um die 2-Schalenorthese. Er berät Sie persönlich, begleitet den gesamten Versorgungsprozess und arbeitet eng mit Ihrem behandelnden Arzt zusammen. Zögern Sie nicht, ihn direkt zu kontaktieren – auch für eine unverbindliche Erstberatung.
Informationen für Ärzte und Pflegekräfte
Diese Seite richtet sich ausdrücklich auch an verordnende Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte und Wundtherapeuten. Die 2-Schalenorthese ist ein bewährtes Hilfsmittel in der interdisziplinären Versorgung des diabetischen Fußsyndroms.
Verordnungstext:
„2-Schalenorthese nach Gipsabdruck aus Carbon"
Wichtig: Die Verordnung einer 2-Schalenorthese ist als Hilfsmittel nicht budgetrelevant. Sie belastet weder das Arznei- noch das Heilmittelbudget. Die Kosten werden direkt mit der Krankenkasse abgerechnet. Wir übernehmen die vollständige Kommunikation mit dem Kostenträger – von der Kostenvoranschlagserstellung bis zur Genehmigung.
Für fachliche Rückfragen, Fallbesprechungen oder eine kollegiale Beratung steht Ihnen Orthopädietechnikermeister Alexander Seidel gerne zur Verfügung: 0152 / 030 73 218 oder aseidel@lettermann.de.
Die 2-Schalenorthese im Kontext: Weitere Versorgungsmöglichkeiten
Die 2-Schalenorthese ist ein Baustein in einem umfassenden Versorgungskonzept für den diabetischen Fuß. Abhängig von Befund, Stadium und Therapieziel kommen bei Lettermann verschiedene orthopädietechnische Lösungen zum Einsatz:
Mehr zum Thema diabetischer Fuß erfahren Sie in unserem Ratgeber: Diabetischer Fuß – Warum die richtige Schuhversorgung entscheidend ist.
Häufig gestellte Fragen zur 2-Schalenorthese
Wie wird die 2-Schalenorthese verordnet?
Ihr behandelnder Arzt – in der Regel ein Diabetologe, Orthopäde oder Gefäßchirurg – stellt eine Verordnung mit dem Text „2-Schalenorthese nach Gipsabdruck aus Carbon" aus. Mit dieser Verordnung kommen Sie zu uns. Wir erstellen den Kostenvoranschlag und klären alles Weitere mit Ihrer Krankenkasse. Sie müssen sich um nichts kümmern.
Wie lange dauert die Fertigung?
In der Regel ist die 2-Schalenorthese innerhalb einer Woche fertiggestellt. Bei stationären Patienten sorgen wir dafür, dass die Orthese rechtzeitig vor der Krankenhausentlassung bereitsteht. Nach Genehmigung durch die Krankenkasse geht es direkt mit der Abdrucknahme los.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ja. Die 2-Schalenorthese ist ein anerkanntes Hilfsmittel und wird in der Regel vollständig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Es fällt lediglich die gesetzliche Zuzahlung an. Wir reichen den Kostenvoranschlag bei Ihrer Krankenkasse ein und übernehmen die gesamte Abwicklung. Für den verordnenden Arzt ist das Hilfsmittel nicht budgetrelevant.
Kann der Verband gewechselt werden, ohne die Orthese komplett abzunehmen?
Ja, genau das ist der zentrale Vorteil der 2-Schalenorthese gegenüber geschlossenen Systemen wie dem TCC. Durch die zwei separaten Carbon-Schalen kann die Orthese geöffnet werden, ohne die Versorgung zu kompromittieren. Der Fuß bleibt für Verbandswechsel, Wundinspektion und ärztliche Kontrolle jederzeit zugänglich.
Ist die Orthese auch für den Charcot-Fuß geeignet?
Ja, der Charcot-Fuß (diabetische Neuroosteoarthropathie) ist eine der Hauptindikationen für die 2-Schalenorthese. Die Carbon-Konstruktion bietet die notwendige Stabilisierung und Ruhigstellung in lotgerechter Fußstellung, um weitere Knochendestruktionen zu verhindern. Gleichzeitig bleibt der Patient mobil, was den Kreislauf und die Gesamtgesundheit fördert. Erfahren Sie mehr auf unserer Seite zum diabetischen Fuß.
An wen kann ich mich bei Fragen wenden?
Ihr direkter Ansprechpartner ist Alexander Seidel, Orthopädietechnikermeister und Spezialist für Kinder- und Individual-Orthopädie. Erreichen Sie ihn unter 0152 / 030 73 218 oder per E-Mail an aseidel@lettermann.de. Alternativ erreichen Sie unsere Zentrale unter 02162 / 37 39 70.